Das Wunderreich der Tiere

Tiere haben, was ihre Überlebensstrategie betrifft, mehr auf dem Kasten als James Bond. Wir stellen Ihnen einige erstaunliche Exemplare vor.

Schon bei einem Besuch im Garten lässt sich beobachten: Die Natur ist darauf ausgerichtet, zu überleben, und hat sich dafür unzählige der tollsten Tricks ausgedacht. Eine Weinbergschnecke mit Schneckenhaus? Sichere Sache! Ebenso ein Igel, der sich zur Stachelkugel formt. Insekten, die zur Abschreckung von Feinden die gefährlich gelb-schwarzen Streifen der Wespen übernommen haben, obwohl sie gar nicht stechen können; Schmetterlinge, deren Flügel aussehen wie das Blatt, auf dem sie sitzen. Das kennen wir aus dem Biologie-Unterricht noch als Mimikry und Mimese. Noch mehr Beispiele gefällig? Kein Problem - die Natur strotzt nur so vor klasse Ideen!

Schlüssel und Schloss

Schlüssel und Schloss - so in etwa verhält es sich mit dem Schnabel des Kolibris und den dazu passenden Blüten, von deren Nektar sich die kleinsten Vögel der Welt ernähren. Über Generationen hinweg haben sich die langen Schnäbel der Vögel an das Nahrungsangebot angepasst - sogar die Zunge der Tiere ist ganz besonders lang, um an den leckeren Nektar zu gelangen!

Rennen, was das Zeug hält

Auf eine andere, sehr moderne Technologie versteht sich der Rennkuckuck (auch Wegekuckuck genannt), den viele Cartoon- Fans eher als gewitzten Road Runner mit blauem Federkleid kennen. Der Vogel rast auf der Jagd nach Insekten bis zu 40 km schnell durch die Wüsten und Halbwüsten in Mexiko und den USA. Möglich macht's ein Sonnenkollektor, denn der Rennkuckuck hat eine außergewöhnliche und energiesparende Methode entwickelt, sich an die kalten Wüstennächte anzupassen. Nachts sinkt seine Körpertemperatur und er verfällt in eine Art Kältestarre. Am Morgen dann kommen seine "Sonnenkollektoren" zum Einsatz: Er spreizt sein Gefieder und die Wärme steigert seine Körpertemperatur schnell wieder auf Normalmaß. Auf geht's zur Futtersuche!

Seepferdchen mit durchsichtigem Antrieb

Fortbewegung - ein äußerst wichtiger Punkt im Tierreich! Beispielweise der im Verhältnis langsame Regenwurm oder das Faultier oder der blitzschnelle Leopard, aber auch und vor allem das kuriose Seepferdchen. Letzteres schön anzusehende Unterwasserlebewesen versteht sich auf eine ganz besondere Weise des Vorankommens. Anders als Fische, die s-förmig durchs Wasser gleiten, bewegt sich das Seepferdchen wegen seiner ulkigen Körperform mit Hilfe einer fast durchsichtigen Rückenflosse voran. Dieser Superantrieb schlägt bis zu dreißig Mal in der Sekunde! Gesteuert wird übrigens mit einem Flossenpaar unterhalb des kleinen Köpfchens der Tiere.

Spitzenmäßige Polonaise

Kurios auch die Vorankommensweise einer Spitzmausfamilie mit jeder Menge Nachwuchs. Wer Glück hat, kann die putzigen Knopfaugen dabei beobachten, wie sie in einer Polonaise durchs Gras spazieren. Das liegt dann im Normalfall daran, dass Mama Spitzmaus ihr Nest nicht mehr als sicher empfi ndet und einen Umzug vorzieht. Los geht's! Jedes kleine Mausekind beißt sich in der Schwanzwurzel des Vorgängers fest - das erste bei der Mama. So kann die Spitzmausmutter ein neues Domizil wählen, die Kleinen dabei immer im Gepäck und ohne Angst, dass jemand verloren geht. Das ist besonders deshalb wichtig, weil der Nachwuchs bis zu zehn Mäuschen betragen kann - eine ganze Menge, auf die aufgepasst werden muss und die nicht alleine herumwuseln sollten!

Verwitwet, aber nicht verwaist

Nicht um Fortbewegung, sondern um Fortpflanzung und damit ebenfalls ums Überleben geht es bei einer besonderen Eigenschaft der herrlich an - zu sehenden Anemonenfische, auch Clownfische genannt und bekannt aus dem Pixar-Film "Findet Nemo". Die männlichen Exemplare können sich in Weibchen verwandeln, wenn ihre Partnerin stirbt, und auf diese Weise weiterhin für Nachwuchs sorgen. Die Fische leben in Gruppen aus einem Männchen, einem Weibchen und mehreren Jungtieren. Stirbt das Weibchen, stellen die Sexual organe des Männchens ihre Arbeit ein, und in seinem Körper beginnen bisher in aktive Eierstöcke, Eier auszubilden. So nimmt das Männchen schließlich den Platz des Weibchens ein, und einer der Jungfische verwandelt sich in ein erwachsenes Männchen.

Klein, aber oho!

Eine ganz besonders glückliche Entdeckung haben Forscher und Wissenschaftler jüngst auf Madagaskar gemacht - besonders glücklich deshalb, weil das kleinste Chamäleon der Welt wirklich mini ist und es an ein Wunder grenzt, dass es überhaupt entdeckt wurde. Der Körper des Tierchens ist nur 16 Millimeter lang, von Kopf bis Schwanz misst es 29 Millimeter. Dennoch handelt es sich um ein voll ausgebildetes Chamäleon, ganz wie seine bis zu 70 Zentimeter langen Artgenossen. Das kleinste Wirbeltier der Welt ist das Mini-Chamäleon mit Namen Brookesia micra zwar nicht, denn es gibt Fische und Frösche, die mit nur acht Millimetern Körperlänge sogar noch kleiner sind. Dennoch gilt die Entdeckung als kleine Sensation. Und viele weitere solcher sensationellen Entdeckungen werden folgen, denn noch längst haben wir nicht alle Tiere erforscht, die es auf der Welt gibt.