Hundeherz & Katzenseele

Wenn sie sich verstehen, ist es herrlich anzusehen: Hund und Katze in trauter Zweisamkeit. Grundsätzlich gilt, dass man junge Tiere gut miteinander vergesellschaften und gemeinsam halten kann. Was aber, wenn ein Katzenhaushalt einen Hund hinzunimmt? Solch eine Entscheidung muss gut überdacht und einfühlsam durchgeführt werden, sagt Katzenexpertin Birga Dexel.

Fröhlich wedelnd inspiziert ein Hund seine neue Umgebung – und schlägt in den Augen der Katze aggressiv mit dem Schwanz. Neugierig und hektisch beschnuppert er das Sofa, den Kratzbaum und womöglich sogar die Miez persönlich – entrüstet ob dieser viel zu aufdringlichen Art legt Madame die Ohren an, was prompt als Aufforderung zum Spiel verstanden wird . . . Da bleibt nur die Flucht aufs Regal, von wo aus die Miez den Neuankömmling misstrauisch beobachtet.

„Das Problem ist natürlich in erster Linie die Körpersprache“, sagt Tierkommunikatorin Birga Dexel. Ihre Berliner Praxis (www.tierberatungspraxis.de) ist auf Tierkommunikation und die Verhaltenstherapie von Katzen spezialisiert. „Ob es ums Spielen, Jagen oder Schmusen geht, Hund und Katze verhalten sich dabei so unterschiedlich wie Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen“, erläutert die Fachfrau. „Nicht nur im Tierreich, auch bei uns geht es um weitaus mehr als die eigentliche Sprache, nämlich um Gesten und Verhaltensweisen, mit denen man gehörig ins Fettnäpfchen treten kann.“

Dennoch macht Birga Dexel Mut: „Es kommt auf die Individuen an. Man hat als Halter durchaus Möglichkeiten, die Rahmenbedingungen für die gemeinsame Haltung zu optimieren.“ Klappt es nicht mit der besten Voraussetzung – nämlich einer Katze-Hund- WG aus Jungtieren – sollte der Hund zuvor am besten in einem Katzenhaushalt aufgewachsen sein. „Er hat dann bereits eine Fremdsprache erlernt und weiß, dass dieses komische Wesen zwar anders riecht und sich seltsam benimmt, aber nicht bedrohlich ist.“

Davon, eine ältere Katze mit einem neuen Hund zu konfrontieren, rät Birga Dexel hingegen ab, sofern die Samtpfote noch nie in ihrem Leben mit Hunden zusammengelebt hat. „Das wäre ein großer Stress für das Tier.“

Wer es wagen will, zusätzlich einen Hund ins Haus zu holen, dem empfiehlt Birga Dexel, der Katze in jedem Zimmer eine Ausflucht „nach oben“ zu bieten – also einen hohen Kratzbaum oder ein Bücherregal, von wo aus sie das unbekannte Tier beobachten, studieren und „Hündisch“ lernen kann. „Viel Ruhe und Geduld muss der Mensch außerdem mitbringen und darauf achten, beide Tiere gleichermaßen zu berücksichtigen, anstatt sich nur um den Neuankömmling zu kümmern – sonst kommt es bei Katzen gerne zu Eifersucht und Verhaltensauffälligkeiten.“

Glückt jedoch die Vergesellschaftung, kann das die schönsten Freundschaften ergeben. „Ich habe im Berufsalltag schon viele tolle Geschichten erlebt“, berichtet Birga Dexel. „Da wird wechselseitig der Nachwuchs aufgezogen und bemuttert; man hilft sich bei der Verteidigung gegen Artgenossen oder tritt sogar als Gauner-Duo auf – der Hund öffnet den Schrank, die Katze klaut daraus die Leckerlis.“ Was übrigens nicht bedeutet, dass die Tiere aus einem Napf fressen sollten! „Beide müssen bei ihrer eigens für sie zusammengestellten Nahrung bleiben, sonst kann es zu Mangelerscheinungen kommen.“ Katzenfutter ist sehr eiweißhaltig, Hundefutter hingegen reicher an Kohlehydraten. Am besten ist es ohnehin, die Katze an einer erhöhten, sicheren Stelle zu füttern – damit sie trotz aller Freundschaft beim Fressen ihre Ruhe vor der freundlich schnuppernden Hundeschnauze hat.