Traditionelle Chinesische Medizin

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist mehr als 4000 Jahre alt. Ein ganzer Kontinent hat sich der asiatischen Naturmedizin bedient , doch anders als in Europa wurden die Gedanken, die Rezepte und die Heilmethoden nicht nur mündlich weitergegeben sondern schriftlich aufgezeichnet.

Daher können wir heute darüber nachlesen, welche Möglichkeiten der Diagnostik Ärzte damals besaßen, wie sie sich die Anatomie und die Funktion der Organe vorstellten – sie mussten sich Gedankenmodelle basteln, denn das Öffnen von Leichen und die Untersuchung von nackten Körpern war damals verboten.
Aus den philosophischen Gedanken zum menschlichen Leben heraus hat sich die TCM entwickelt. Krankheit wird als Imbalance von Yin und Yang angesehen, Blockaden lassen Qi –die Lebensenergie - nicht fließen, schädliche Einflüsse schwächen entweder Yin oder Yang, ein maßloser Lebensstil verbraucht zuviel Yin oder Yang.

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Aufgabe des Arztes ist es nun Yin und Yang wieder zu balancieren, die schädlichen Einflüsse zu vertreiben und die geschwächten Organfunktionen zu stärken. Anders als bei uns war es damals üblich den Arzt zu bezahlen solange man gesund blieb. Wurde man krank, dann hatte der Arzt versagt und erst bei Gesundung bekam er wieder seinen Lohn. Daher ist die TCM unbestritten sehr gut geeignet in der vorbeugenden Medizin eingesetzt zu werden. Um zu erkennen, was der Arzt für den Patienten tun kann, bedient er sich folgender Methoden:

Der Vorbericht

  • was für ein Typ ist der Patient: ein hektisches Vollblut oder ein schelmisches Pony
  • was mag der Patient gerne und was mag er gar nicht: liegt ihr Hunde lieber auf den kühlen Bodenfliesen oder zusammengerollt auf der warmen Couch?
  • gibt es immerwiederkehrende Probleme mit den Augen, der Haut, den Ohren,...
  • wann treten die Beschwerden auf: hustet immer in der Nacht, hinkt erst nach 30 Minuten Belastung, kratzt sich jeden Sommer,...
  • Stuhl, Harn

Die Untersuchung

  • Untersuchung aller Sinnesorgane: jedes Sinnesorgan ist mit einem Organkreis gekoppelt: "die Leber öffnet sich in das Auge"
  • Tastbefund: der Körper wird auf schmerzende Punkte oder Zonen abgesucht: jeder Punkt gibt Rückschlüsse auf das Wohlbefinden des Patienten
  • die Zunge: auf der Zunge spiegeln sich alle Organe und zeigen die Art der Schädigung an
  • der Puls: zeigt an, wie der Organismus auf schädliche Einflüsse reagiert

Wenn sich der Arzt nach eingehender Beschäftigung mit seinem Patienten ein Bild über dessen Gesundheitszustand gemacht hat, stehen ihm mehrere Möglichkeiten der Behandlung zur Verfügung:

  • Akupunktur: das Einstechen von ganz dünnen Einmalnadeln ist nicht ganz schmerzfrei, wird aber von den Tieren hervorragend toleriert. 5-10 Behandlungen in Serie reichen meist aus
  • Moxibustation: mit der glühenden Moxazigarre werden entweder Akupunkturpunkte oder Nadeln erwärmt, gerade in der kalten Jahreszeit sehr gebräuchlich.
  • Tuina: die klassische chinesische Massage
  • Diät und Lebensführung: jede Tageszeit, jede Jahreszeit und jedes Nahrungsmittel haben ihr eigenes Spiegelbild in den Organkreisen, für jeden Organismus speziell
  • Chinesische Kräuter: werden heute in hervorragender Qualität in China produziert und zu uns importiert. Schmecken leider manchmal so grauslich, dass unsere Hunde und Katzen sie nur in Kapselform fressen

Bitte denken Sie daran: Die TCM eignet sich besonders zur Vorbeugung. Ihr TCM-Arzt kann keine Wunder vollbringen, aber er kann die Lebensqualität Ihres Tieres deutlich verbessern. Die Ausübung der TCM am Tier obliegt in Österreich ausschließlich dem Tierarzt, bitte achten Sie auf entsprechende Ausbildungsnachweise.

Autorin

Dr. Sabine Mai, praktische Tierärztin in Gföhl , NÖ
Fachtierärztin für Physiotherapie und Rehabilitationsmedizin
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für TCM und Komplementärmedizin der Donau-Universität Krems

Ich arbeite seit mehr als 5 Jahren mit TCM am Tier, meine besondere Liebe gilt der Erhaltung der körperlichen Fitness von älteren Tieren, der Verbesserung der Beweglichkeit, der Wiedererlangung früherer Leistungsfähigkeit nach Unfällen oder Krankheiten und dem Schmerzmangement bei chronisch kranken Tieren.