Ach, was war das wieder langweilig heute! Unruhig trabten Donner und Rudolph über die Koppel. Ein harter Dezemberwind jagte die Wolken über den Himmel, ab und zu fiel ein Regentropfen auf das glänzend-braune Fell der beiden Rentiere. Anders als ihre Kollegen, die sich im warmen Stall das Futter schmecken ließen, waren Donner und Rudolph sehr unglücklich mit dem Nichtstun. Sehnsüchtig spähten sie immer wieder zum Häuschen des Weihnachtsmanns, aus dessen Kamin dicker Rauch quoll. Da saß er, über lange Wunschzettel aus aller Welt gebeugt, eine Pfeife im Mund und die rote Kapuze ordentlich am Haken aufgehängt.
"Wann geht es nur endlich los?", seufzte Rudolf wohl zum zehnten Mal an diesem Tag. "Es dauert bestimmt noch ewig", antwortete Donner mürrisch, "hast du nicht den dicken Postsack gesehen, der gestern wieder vor der Tür stand? Du weißt doch, dass er alle Briefe persönlich liest!" Trotzig trampelte Rudolph mit dem Vorderhuf auf. "Ich will jetzt aber rennen - warum ist man denn sonst ein Rentier?", rief er und streckte sehnsüchtig schnuppernd seine rote Nase in die Luft. "Was soll man auch machen bei diesem Wetter, nicht mal eine Schneeflocke haben wir bisher in diesem Winter gesehen! Immer nur Regen, Wind und Wolken ..." Mit einem kleinen Bocksprung versuchte er, den vereinzelten Tropfen auszuweichen.
Wirklich wahr, bisher ließ der Winter sehr zu wünschen übrig. Die braungrünen Wiesen, Felder und Wälder dampften und glänzten feucht, von einer feinen, reinen Schneeflocke keine Spur. Wie schön wäre es, wenn man über eine weiße Koppel galoppieren könnte und beim Schnauben dichter Dampf aus den Nüstern käme! Noch grübelte Rudolph darüber nach, wie viel Spaß sie im vergangenen Winter hatten, als er merkte, dass Donner versonnen auf den Schuppen neben dem Haus starrte. "Was ist denn?", erkundigte sich Rudolph neugierig - denn Donner, das wusste er, war immer für eine Überraschung gut.
"Kannst du dich noch an diese merkwürdige Maschine erinnern, die im vergangenen Jahr geliefert wurde?", fragte Donner zurück. "Sie sah ein bisschen aus wie ein Bollerofen, nur mit einer Kurbel hinten dran." - "Klar!", rief Rudolph, und plötzlich wusste er, worauf Donner hinauswollte. "Schnee, wir machen Schnee!!!" Schon trabten die beiden Freunde über die Koppel. Mit einem Schubser öffnete Donner die Schuppentür, und da stand das Wunderding, unberührt und noch mit einer roten Schleife verziert.
"Es war eine Fehllieferung, weißt du noch?", sagte Donner. "Auf dem Wunschzettel stand 'Schneeräummaschine', aber der Brief kam so zerknittert an, dass der Chef nur 'Schneemaschine' entziffern konnte. Mal schauen, ob es eine Anleitung gibt." Doch Rudolph hatte bereits den großen Zettel entdeckt, der seitlich an der Maschine hing. "Fangen Sie sich ein paar Wolken", las er vor, "und füttern Sie damit bei gleichmäßigem Betätigen der Kurbel die Schneetrommel."
Gesagt, getan. Während Donner junge, frische Wölkchen jagte, kurbelte Rudolph, was das Zeug hielt. "Schneller, schneller!", rief Donner, denn immer neue Wölkchen kamen des Weges, gerade als ob sie nur darauf gewartet hätten, als dicke, weiße Schneeflocken durch die Luft zu wirbeln. Bald schon lag der Hof unter einer zarten Puderzuckerdecke, es folgte die erste Wiese, dann die zweite, schließlich die Wipfel der Bäume am Waldrand. Neugierig kamen nun auch die anderen Rentiere aus dem Stall getrabt, und bald tollten sie alle gemeinsam ausgelassen über die schneeweiße Koppel.
Da öffnete sich die Tür des Häuschens und der Weihnachtsmann schaute heraus. Verwundert rieb er sich die Augen. "Hm, Schnee. Das passt ja gut", murmelte er und streckte sich. Dann legte er die Hände wie einen Trichter um den Mund und rief: "Rudolph, Donner, Blitzen und all ihr anderen, kommt! Ich bin so weit, meine Lieben! Los geht's!"