Kiemenwürmer

Ungebetene Gäste im Diskusaquarium

Neben den Flagellaten sind Kiemenwürmer die wohl am häufigsten anzutreffenden Parasiten bei Diskusfischen. Jedem Diskusfreund sollte dieser Erreger bekannt sein, wenn auch nicht aus eigenen Erfahrungen, so findet man in vielen Büchern und Fachzeitschriften Berichte über den Kiemenwurm.

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Die Kiemenwürmer gehören, wie die Hautsaugwürmer, zu den Monogenea (Hakensaugwürmer), einer Untergattung der Trematoden (Saugwürmer). Es handelt sich hierbei um Parasiten, deren Entwicklung vor allem ohne Wirts- und auch ohne Generationswechsel von statten geht. Von den 13 Monogenea Subgattungen sind für die Aquaristik von besonderer Bedeutung die Gyrodactylidae (Hautsaugwürmer) und die beiden Kiemensaugwurmgattungen Dactylogyridae und Tetraonchus, wobei letztere in einschlägiger Literatur oft unerwähnt bleiben. In der Art der Fortpflanzung besteht der größte Unterschied zwischen Haut- und Kiemenwürmern. Die Hautsaugwürmer bringen lebende Junge zur Welt, während die Kiemenwürmer Dauereier produzieren, nach deren Ablage die erwachsenen Tiere absterben. Die Eier sinken zu Boden und warten darauf, wiederum Fische befallen zu können.

Der Körper, der ca. 0,1 bis 1 mm großen Kiemensaugwürmer, ist abgeflacht und trägt am hinteren Ende einen mit Haken versehenen Haftapparat. Im Licht- oder Phasenkontrastmikroskop bei schon geringer Vergrößerung gut erkennbar, zeigen sich auch die Unterschiede im Haftapparat der beiden Kiemenwurm- Spezies: Dactylogyrus formosus trägt 2 und der an Diskusfischen wesentlich häufiger angetroffene Tetraonchus monenteron hingegen 4 Zentralhaken, auf denen wiederum 14 kleinere Haken sitzen. Das vordere Ende des Wurmes hat vier Zipfel, einen Bauchsaugnapf und trägt vier Augenflecke, mit denen die Kiemenwürmer zwar nicht werscharf sehen, aber einen neuen Wirtsfisch schemenhaft wahrnehmen können. Wie der Name schon sagt, leben Kiemenwürmer hauptsächlich auf den Kiemen der Wirtsfische, können aber bei starkem Befall auch auf den Kiemendeckeln und der Haut gefunden werden. Charakteristisch für den Kiemenwurm ist die hohe Wirtsspezifität, d.h. jede Kiemenwurmart hat ihre Lieblingsfischart. Die Parasiten ernähren sich von Schleim und Kiemengewebe, das sie mit körpereigenen Enzymen auflösen.

Der Fisch reagiert auf diese Reizung mit einer verstärkten Schleimbildung auf den Kiemen, welche die Kiemenblättchen verklebt und dadurch die Atmung erschwert. Befallene Fische sind häufig dunkel gefärbt und scheuern sich im Kiemenbereich an Einrichtungsgegenständen oder Bodengrund. Liegt eine starke Infektion vor, können auch Würgebewegungen beobachtet werden. Wie bei allen Fischen, ist auch beim Diskus eine erhöhte Atemfrequenz das letzte Mittel, bei nicht ausreichender Sauerstoffzufuhr. Zuerst wird das Volumen des durchgepumpten Wassers durch eine Vergrößerung der Mundhöhle erhöht, wenn dies nicht ausreicht, wird die Atemfrequenz erhöht. Eine starke Infektion liegt dann vor, wenn man bei seinen Fischen ein starkes Pumpen in Verbindung mit zeitweisem Anlegen eines Kiemendeckels beobachten kann. Erwachsene Fische werden durch Kiemenwürmer zwar geschädigt, aber besonders kritisch ist der Befall bei Jungtieren, da deren Immunsystem noch nicht voll ausgeausgebildet ist. Auch nur mäßig befallene Jungfische werden am Wachstum, durch den hohen Energieaufwand für die verstärkte Atmung, gehindert.

Wie bereits oben beschrieben, legen Kiemenwürmer Eier, die je nach Temperatur und Beleuchtungslänge (je länger desto schneller) unterschiedlich schnell schlüpfen. Das erschwert die Behandlung, denn die meisten Präparate wirken nicht ausreichend ovizid (eiabtötend). Aus diesem Grund sollte eine Behandlung also mindestens einmal nach 6 bis 10 Tagen wiederholt werden, um den gewünschten Erfolg zu garantieren.

Eine Behandlung sollte nach gesicherter Diagnose (schließlich können Kiemenwurmspezifischen Symptomen auch andere Ursachen, wie bakterielle Infektionen oder Einzeller Befall, zugrunde liegen) mit wirklich adäquaten Wirkstoffen durchgeführt werden.

Wichtig ist, die Wassertemperatur im Diskusaquarium auf 28-29°C abzusenken und für ausreichende Luftzufuhr im Becken zu sorgen, um den ohnehin strapazierten Stoffwechsel der Tiere und den medikamentenbedingten körperlichen Streß nicht noch zusätzlich zu erhöhen.