Des Pudels Kern

Schick frisiert und dezent hochtrabend, womöglich sogar mit einem Schleifchen im Haar – Pudel müssen immer wieder als Inbegriff des verzogenen Schoßhundes herhalten. Damit aber wird des Pudels Kern völlig verkannt, wie Pudelfans wissen! Der Pudel hat einen extrem feinen Geruchssinn und blickt deshalb auf eine große Tradition als Nutzhund zurück. Noch dazu ist er sehr wachsam und überaus lern- und kinderfreundlich.

Gleichgültig ob Groß-, Klein- oder Zwergpudel, so mancher Mitbürger rümpft die Menschenschnauze, wenn die eleganten Vierbeiner vorbeistolzieren. Längst nicht jeder ahnt, dass die eleganten Vierbeiner erstklassige Jagdhunde sind, die einst auf die Jagd zu Wasser spezialisiert waren – wo übrigens auch die Tradition der Schleifen im krausen Haar und der Name „Pudel“ herrühren! Auf Altdeutsch nämlich sagte man „puddeln“ oder auch „pfudeln“, wenn man ausgiebiges „im-Wasser-Planschen“ meinte. Auch die Redensart „wie ein begossener Pudel“ erklärt sich dadurch, dass Pudel nach dem Apportieren mit triefend nassem Fell aus dem Wasser stiegen.

Das dichte, wollige Fell ist eine der vielen Besonderheiten, die Pudelfans an ihren Vierbeinern zu schätzen wissen: Pudel haaren nicht. Trotzdem muss ihr Fell, weil es ständig nachwächst, regelmäßig gebürstet und geschoren werden. Beispielsweise in der klassischen Variante „Löwenschur“, bei der es an den Fesseln, am Schwanz, um die Brust herum und vor allem als wuschelige Löwenmähne stehen gelassen wird. Was heutzutage wie eine komplizierte Frisur wirkt und auch nur noch selten Anwendung fi ndet, hat seinen Ursprung in der früheren Aufgabe des Pudels: Um die Brust herum sollte die dichte Wolle den nassen Pudel schützen und wärmen, während er als Jagdhund über so viel Beinfreiheit wie möglich verfügen sollte. Schließlich musste er gut schwimmen können – Pudel haben sogar Schwimmhäute zwischen den Zehen und sind eine der wenigen Rassen, die ausgezeichnet tauchen können!

 Gezüchtet werden Pudel seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Sie finden jedoch schon im 15. Jahrhundert als „Wasserhunde“ Erwähnung und sind noch sehr viel früher schon auf Abbildungen zu entdecken – bis in die Zeiten der alten Römer, sodass man vermutet, sie gehören als Hütehunde zu den ältesten Hunderassen der Welt. Heute unterscheidet man zwischen Großpudeln (Widerrist bis zu 60 cm), Kleinpudeln (bis zu 45 cm), Zwergpudeln (bis zu 35 cm) und Toypudeln (bis zu 28 cm). Immer noch zeichnen sie sich durch ihren hervorragenden Geruchssinn, ihre Lernfreude und Wachsamkeit aus. Nicht umsonst sagen stolze Besitzer gerne: „Es ist kein Hund, es ist ein Pudel!“ Die treuen Vierbeiner in den Zuchtfarben Schwarz, Weiß, Braun, Silber, Apricot und Red sind bei allen Hundesportarten bestens vertreten. Sie kommen als Schutz- und Suchhunde ebenso zum Einsatz wie als Blindenhunde. Vor allem aber als Familienhunde eignen sie sich wunderbar: Klug, aktiv und kinderlieb, mit einem freundlichen, treuen Wesen, werden sie schnell zum festen Familienmitglied.

Kein Wunder also, dass sich unter den Pudelfans auch viele berühmte Persönlichkeiten finden, etwa Winston Churchill, Maria Callas und Arthur Schopenhauer. Johann Wolfgang von Goethe übrigens war es, der in seinem Drama „Faust“ den Mephistopheles in Gestalt eines Pudels erscheinen lässt und damit den Spruch prägte: „Das also war des Pudels Kern!“