Glücklichmacher auf vier Pfoten

Psychologen wissen längst: Tiere, besonders Hunde, sind unersetzliche Therapeuten. Ihre Anwesenheit wirkt stressmildernd und hellt die Stimmung auf, selbst verschlossene Menschen öffnen sich, lachen und erzählen. Die Erfahrungen sind so positiv, dass sich mittlerweile immer mehr Hundebesitzer ehrenamtlich engagieren: Sie und ihre Vierbeiner bilden zum Beispiel den Besuchshundedienst.

Ob Kindergarten oder Seniorenheim, ob gemeinsames Spiel, Streicheleinheiten oder auch Kaffeetrinken in Anwesenheit eines ruhigen, ausgeglichenen Hundes – wo der Besuchshundedienst auftaucht, geht gleichermaßen die Sonne auf. Alte Menschen beginnen zu erzählen, Kinder ringen sich um den geduldigen Vierbeiner und möchten ihn streicheln, Sorgen sind plötzlich vergessen. Wie kann das funktionieren?

 

Therapeuten, Ärzte, Pädagogen und Psychologen haben die Erfahrung immer wieder gemacht: Ein Hund kommuniziert ohne Worte. Er kann spontan auf den Menschen zugehen, ist unvoreingenommen, beurteilt Kinder, Erwachsene und Senioren nicht nach Äußerlichkeiten, strahlt meist Lebensfreude und Zuversicht, Glück und Wärme aus. Diese durchweg positiven Effekte nutzt der Besuchshundedienst. Er ist sozusagen die Vorstufe zur tiergestützten Therapie, die nur von Fachleuten vorgenommen wird. In diesem Fall wird richtiggehend mit Patienten gearbeitet – der Hund ist quasi Co-Therapeut bei Logopädie, Physiotherapie, bei psychologischen Therapiestunden oder der Ergotherapie. Den Besuchshundedienst hingegen kann jeder für sich entdecken, dessen Hund die entsprechenden Voraussetzungen mitbringt und der sich gerne sozial engagieren möchte.

Was muss das Team Hund & Mensch dafür für Eigenschaften haben?

Organisationen wie der Arbeiter-Samariter-Bund oder die Malteser, aber auch Hundeclubs und Vereine wie „Tiere helfen Menschen e.V.“ bieten die Ausbildung zum Besuchshund an. Auch der „Besuchsmensch“ muss dabei einig es lernen. Je nach Einsatzgebiet werden den Hundehaltern Informationen über jene Kinder oder Senioren vermittelt, die sie besuchen. Sie müssen über deren mögliche Krankheiten und Eigenheiten Bescheid wissen. Gleichzeitig ist es wichtig, vor den Besuchen sicherzustellen, dass Frauchen und Herrchen ihren Vierbeiner sehr gut kennen, dass sie die Stresssignale des Tieres richtig deuten und ihren Hund einschätzen können. Der Vierbeiner wiederum durchläuft einen Eignungstest, in dem überprüft wird, ob er sich als Besuchshund eignet. Er sollte ausgeglichen und sanft sein, eine hohe Reizschwelle haben und gerne auf Menschen zugehen. Stimmen diese wichtigen Voraussetzungen, wird mit dem Hund trainiert, gelassen auf ungewohnte Geräusche und Bewegungen zu reagieren und auch dann cool zu bleiben, wenn das Gedränge um ihn herum groß ist, weil ihn jeder streicheln möchte. Eventuelle Angst vor buntem Spielzeug, vor Gehhilfen, fallenden Gegenständen, ungeschicktem Anfassen oder auch Schreien wird ihm auf sanfte Weise abgewöhnt, wenn er es nicht ohnehin schon beherrscht, weil er sehr gutmütig ist. Dann kann es losgehen.

Besuch bei Senioren

Viele alte Menschen, die in Seniorenheimen leben, haben früher einmal selbst einen Hund gehabt, müssen jedoch im Alter auf die lieb gewonnene Gesellschaft verzichten. Für sie ist der Hundebesuch oft das Highlight des Tages. Sie sprechen nicht nur über den Besuchshund, sondern beginnen, von ihren früheren Hunden zu erzählen. Sie werden motiviert, sich zu bewegen, sich in die Gruppe zu integrieren und aktiv zu werden. Auch demenzkranke Menschen sind gegen den Charme des Vierbeiners nicht immun, im Gegenteil. Mit leuchtenden Augen nehmen sie ihn in Empfang und möchten ihn am liebsten nicht mehr gehen lassen. Letztlich wirkt sich der Hundebesuch positiv auf den Gesundheitszustand der Senioren und auf ihre Stimmung aus. Das Tier wird gestreichelt, gebürstet, gefüttert – wer kann, geht mit auf einen kleinen Spaziergang. Erwiesenermaßen senkt ein Hundebesuch den Blutdruck des Menschen, lenkt von Schmerzen oder Kummer ab, fördert die Motorik und führt dazu, dass das Glückshormon Endorphin ausgeschüttet wird.

Ausflug in die Schulklasse

Immer mehr Lehrer machen es möglich: Sie bringen den eigenen Vierbeiner, sofern er die Voraussetzungen hat, mit in den Unterricht. Das Tier wirkt beruhigend, auch und gerade auf unausgeglichene Kinder. Die Schüler lernen, Verantwortung für das Wohl des Lebewesens zu übernehmen, den Hund zu füttern und stets frisches Wasser für ihn bereitzuhalten. Die Möglichkeiten, den Hund einzubinden, sind vielfältig: Ob ein gemeinsamer Spaziergang in der Pause, seine ruhige Anwesenheit während einer Klassenarbeit oder die Biologiestunde mit Hund, in der gelernt wird, wie man die Körpersprache des Tieres versteht – die Kinder sind in jedem Fall voll dabei. Fachleute gehen davon aus, dass der Hund die Kinderherzen gewinnt, weil er vorbehaltlos auf die kleinen Menschen zugeht, nichts Böses im Sinn hat, sich authentisch verhält und deshalb gut einzuschätzen ist.

Spielstunde im Kindergarten

Forschungen bestätigen, dass sich Kinder, die mit Tieren aufwachsen, positiv entwickeln. Sie profitieren sowohl körperlich als auch psychisch vom Spiel mit dem Tier, Hyperaktivität, Aggressivität und Verschlossenheit werden häufig gemildert, wenn ein Vierbeiner regelmäßig in der Nähe ist. So gut wie jeder Hundehalter weiß, dass selbst kleinste Kinder seinen Schützling bereits voller Interesse beobachten, ihn gerne streicheln wollen und generell von Tieren fasziniert sind. Viele Familien können aus unterschiedlichen Gründen kein Tier halten. Ein Besuchshund gibt den Kindern die Möglichkeit, dennoch ihre Liebe zu Tieren zu entwickeln und ihnen nahezukommen.

Nachhaltigkeit ist gefragt

Die vielen positiven Effekte, die ein Hundebesuch bei Kindern, Erwachsenen und Senioren, bei gesunden genauso wie bei kranken Menschen hat, stellen für den Hundehalter auch eine Verpflichtung dar. Nachhaltigkeit ist bei diesem ehrenamtlichen Engagement gefragt. Zu einem Besuchshundeteam zu gehören, bedeutet, regelmäßig in Aktion zu treten und den Menschen, die man besucht, ein verlässlicher Partner zu sein. Wer das auf sich nimmt, wird tausendfach belohnt: Nicht mit Pokalen oder Ehrungen, sondern mit dem Lächeln, den strahlenden Augen und der Freude seiner Mitmenschen.