Hundesprache - schwere Sprache?

Ein wenig Übung bedarf es schon, um Hündisch zu verstehen. Denn Hunde verfügen über eine deutlich vielfältigere Sprache als wir Menschen. Um sich ihrer Umwelt mitzuteilen, setzen sie nicht nur Laute ein, sondern auch verschiedenste Körpersignale. Selbst Berührungen werden zum Informationsaustausch genutzt. Aus der Kombination der Signale lässt sich herauslesen, was der Hund zum Ausdruck bringen möchte oder in welcher Stimmung er gerade ist. Dafür muss man zunächst einmal in der Lage sein, die gesendeten Körper- und Lautsignale zu erkennen, um sie dann im Rahmen der Gesamtsituation richtig zu deuten. Mit einer guten Beobachtungsgabe und etwas Praxis lässt sich das durchaus erlernen.

Ihre Art zu kommunizieren haben unsere Hunde von den Wölfen übernommen. Als Tiere, die im Rudel leben, ist es für Wölfe lebenswichtig, sich präzise miteinander verständigen zu können. Auseinandersetzungen müssen so weit wie möglich friedlich ausgetragen werden. Denn wird ein Rudelmitglied ernsthaft verletzt, könnte das negative Folgen für das gesamte Rudel haben. Zum Beispiel wenn durch das fehlende Rudelmitglied weniger Beute erjagt wird und dadurch die Versorgung des Nachwuchses gefährdet ist. Das gilt es zu vermeiden. Meinungsverschiedenheiten werden deshalb in erster Linie mittels ausgefeilter Kommunikationstechniken geklärt und enden in der Regel unblutig. Auch unsere Haushunde beherrschen dieses Verhaltensrepertoire noch. Durch das Zusammenleben mit den Menschen hat es sich allerdings etwas vereinfacht und eine stärkere Gewichtung hin zur Lautsprache stattgefunden.

Verständigung durch Körpersprache

Viele Hundehalter glauben, wenn ihr Liebling mit dem Schwanz wedelt, freut er sich. Das ist nicht unbedingt richtig. Entscheidend sind die weiteren Körpersignale, die der Hund zusätzlich zum Schwanzwedeln aussendet. Denn die Rute ist nur ein Teil der Körpersprache unserer Vierbeiner. Hinzu kommen die Körperhaltung, die Ohren, die Mimik und das Fell am Rücken. Hunde können sich beispielsweise größer machen, indem sie die Beine durchstrecken, die Ohren aufstellen, den Kopf aufrecht halten, den Schwanz senkrecht in die Höhe recken und das Fell am Rücken sträuben. Das tun sie beispielsweise, wenn sie einem Artgenossen imponieren wollen. Sie können sich aber auch klein machen, als Zeichen von Angst oder Unterwerfung. In diesem Fall nehmen sie eine geduckte Haltung ein, ziehen Hals, Kopf und Schwanz ein, legen die Ohren an und machen ihr Fell flach. Eine wichtige Rolle spielt auch der Gesichtsausdruck. Hat der Hund einen offenen, entspannten Blick oder fixiert er starr sein Gegenüber? Hat er sein Maul geöffnet, zieht er die Lefzen hoch und zeigt seine Zähne? Dann droht er offensichtlich. Das könnte er aus Angst tun, aber auch um einen gleich folgenden Angriff anzukündigen.

Beschwichtigungssignale

Um eine Situation nicht eskalieren zu lassen, können Hunde verschiedene Beschwichtigungssignale einsetzen wie etwa das Lecken der Mundwinkel, das Abwenden des Blickes, eine geduckte Körperhaltung oder die Aufforderung zum Spiel. Meistens werden auch hier mehrere Signale miteinander kombiniert. Im Extremfall kann es sein, dass ein Hund sich dem anderen unterwirft. Er legt sich dann auf den Rücken und präsentiert seinem Gegner seinen ungeschützten Bauch und seine Kehle. Auch dieses Verhalten wirkt aggressionshemmend und dient dazu, Schlimmeres zu verhindern. Selbst Imponiergehabe ist dazu geeignet, einen Kampf zu vermeiden. Dann nämlich, wenn zwei gleich starke Kontrahenten aufeinandertreffen und keiner der beiden das Risiko eines Kampfes eingehen möchte. In diesem Fall treten beide langsam den Rückzug an, ohne dabei ihr Imponiergehabe aufzugeben. So muss keiner klein beigeben und trotzdem riskiert keiner, ernsthaft verletzt zu werden.

Informationsaustausch per Duftnote

Hunde verfügen über einen ausgezeichneten Geruchssinn. Er ist um ein Vielfaches besser als der des Menschen. Begegnen sich zwei Hunde, beschnuppern sie sich erst einmal ausgiebig. Zunächst von vorne und dann von hinten. Denn unter dem Schwanz befindet sich das so genannte Analgesicht des Hundes. Die hier liegenden Analdrüsen sondern einen speziellen Duft ab, durch den sich der betreffende Hund von anderen Hunden unterscheidet. Sozusagen seine Visitenkarte. Ängstliche Hunde versuchen übrigens häufig, den Analtest zu verhindern, indem sie den Schwanz einklemmen. Dank der Geruchssignale können Hunde auch miteinander kommunizieren, ohne dass sie zur selben Zeit am selben Ort sind. Über den Geruch erfahren sie, wer bereits vor ihnen alles an diesem Platz war. Außerdem können sie selbst Duftmarken setzen, um ihr Revier abzustecken.

Taktile Kommunikation

Eine weitere Form des Informationsaustausches ist die der Berührungen. Man nennt das taktile Kommunikation. Hier erfolgt die Verständigung per Körperkontakt. Dieser kann von einem leichten Anstupsen bis zu aggressivem Anrempeln gehen und dient ebenfalls dazu, Dominanz zu zeigen oder zu beschwichtigen. Ein Hund zum Beispiel, der einem anderen seine Pfote oder seinen Kopf auf den Rücken legt, bringt damit meist eine leichte Drohgebärde zum Ausdruck. Wegdrängen und Aufreiten zeigen ebenfalls dominantes Verhalten. Die Schnauze eines anderen lecken wirkt dagegen besänftigend. Auch Kontaktliegen dient der Pflege des Sozialverhaltens, es hat eine beruhigende Wirkung und stärkt den sozialen Frieden.

Hündisch für Anfänger

Nach so viel Theorie nun ein bisschen Praxis: Woran erkennt man denn jetzt, ob ein Hund freundlich gesinnt ist oder nicht? Dafür gibt es ein paar Anhaltspunkte: Ein Hund, der ausgeglichen ist, demonstriert das in der Regel mit einem offenen Blick, einer entspannten aufrechten Körperhaltung und meist aufmerksam nach vorne gerichteten Ohren. Wenn er sein Gegenüber kennt, kann es sein, dass er auf halber Höhe mit dem Schwanz wedelt. Eventuell ergänzt er dieses Verhalten durch ein helles Bellen zur Begrüßung. Ist ein Hund dagegen misstrauisch, signalisiert er das durch eine angespannte Körperhaltung. Sein Blick ist starr auf sein Gegenüber gerichtet. Ein leises Knurren könnte ertönen. Möchte ein Hund spielen, ist das meist unverkennbar. Er nimmt dann die so genannte Vorderkörpertiefstellung ein. Das bedeutet, seine Vorderbeine liegen auf dem Boden und die Hinterbeine stehen aufrecht. Dazu wedelt er mit dem Schwanz, setzt einen freundlichen Gesichtsausdruck auf und schaut seinen möglichen Spielgefährten hoffnungsvoll an. Ein paar kurze Beller können hinzukommen. Die Signale zur Spielaufforderung sind so eindeutig, dass sie für gewöhnlich selbst von Laien instinktiv richtig gedeutet werden.

Lautsprache

Hunde, die bellen, beißen nicht, heißt ein Sprichwort. Ob das wirklich so ist, lassen wir mal dahingestellt. Tatsache ist aber, dass unsere Haushunde deutlich häufiger bellen, als ihre wölfischen Vorfahren das tun. Vermutlich haben Hunde im Umgang mit dem Menschen einfach gelernt, dass sie mit Bellen in der Regel mehr Aufmerksamkeit erreichen als mit Körpersignalen. Doch das Bellen ist nur eine Möglichkeit für Hunde, sich akustisch bemerkbar zu machen. Weitere sind Knurren, Heulen, Jaulen und Winseln.

Bellen ist nicht gleich Bellen. Das wird jeder Hundehalter bestätigen können. Hunde bellen aus den unterschiedlichsten Gründen: aus Freude, aus Angst, als Warnung, um auf etwas aufmerksam zu machen oder um jemanden zum Spiel aufzufordern. Je nachdem, was das Ziel des Bellens ist, unterscheidet es sich in Tonhöhe, Dauer, Intensität und Anzahl der Wiederholungen. Ein dunkles Bellen zum Beispiel dient in der Regel als Warnung, während ein helles Bellen häufig zur Begrüßung eingesetzt wird. Ein Stück weit kann Bellen auch anerzogen werden. Dann nämlich, wenn der Mensch jedes Mal auf das Bellen reagiert und den Hund dadurch in seinem Verhalten bestätigt.

Knurren dient immer der Warnung und sollte durchaus ernst genommen werden. Es kann sich sowohl gegen Artgenossen als auch gegen Menschen richten und bedeutet meist: Bleib mir fern. Mit mir ist nicht zu spaßen. Der Grund dafür kann Angst sein, aber auch genauso gut Aggression. Bei manchen Rassen gehört Knurren zum Spielverhalten. Um das beurteilen zu können, muss man die Gesamtsituation im Auge haben.

Heulen ist ein Erbe von den Wölfen. Es dient unter anderem dazu, sich über weite Distanzen hinweg mit Rudelmitgliedern unterhalten zu können und das Revier abzugrenzen. Haushunde heulen gern, wenn sie von ihren Menschen allein gelassen werden, um auf diese Weise Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Heulen kann übrigens ansteckend wirken. Hört ein Hund einen anderen heulen, stimmt er häufig mit ein.

Jaulen kann ebenfalls mehrere Bedeutungen haben. Entweder der Hund hat Schmerzen oder er befindet sich in einer misslichen Lage. Manche Hunde jaulen, wenn sie nicht allein zu Hause sein möchten.

Winseln eignet sich besonders gut, um auf sich aufmerksam zu machen. Es kann aber auch ein Zeichen von Schmerzen oder Unbehagen sein. Hunde winseln oft aus Angst vor Strafe. Auch Aufregung, Ungeduld oder Freude kann sich durch Winseln ausdrücken.

Den richtigen Ton angeben

Damit nicht nur Sie Ihren Hund verstehen können, sondern auch umgekehrt Ihr Hund Sie verstehen kann, ist es wichtig, dass Sie sich seine Art der Kommunikation zunutze machen. Dafür sollten Sie sowohl die Körpersprache als auch die Lautsprache einsetzen. Natürlich kann Ihr Hund nicht den Sinn der Worte erfassen, die Sie zu ihm sagen. Für ihn entscheidend ist die Tonlage, in der Sie mit ihm sprechen. Aus ihr muss klar hervorgehen, ob Sie ihm gerade ein Kommando geben, ihn loben oder ihn tadeln. Wenn Sie alles in derselben Tonlage von sich geben, kann er das nicht unterscheiden. Sie müssen Klang und Tonfall Ihrer Stimme so wählen, dass es keine Missverständnisse geben kann. Laut brauchen Sie dabei in der Regel nicht zu werden. Denn normalerweise sind leise Töne besser dazu geeignet, die Aufmerksamkeit Ihres Hundes zu wecken. Wichtig ist, dass Sie Ihre Körpersprache Ihrer Stimme anpassen. Hunde sind hervorragende Beobachter. Wenn Ihre Stimme etwas anderes ausdrückt als Ihr Körper, merkt Ihr Hund das sofort und wird sich nicht so verhalten, wie Sie das möchten. Für die Körpersprache stehen Ihnen verschiedene Ausdrucksmittel zur Verfügung: Ihre Mimik, der Blickkontakt, Bewegungen und Berührungen. Wenn Sie Ihren Hund loben, blicken Sie ihn beispielsweise freundlich an und streicheln ihm übers Fell. Wenn Sie ihn tadeln, schauen Sie ihn ernst an. Negative Berührungen, wie der Schnauzgriff, werden nur selten verwendet. Berührungen dienen mehr der positiven Verstärkung.