Mit feiner Nase auf der Suche nach dem Schwarzen Gold

Für Trüffelprofis sind sie unersetzlich: Trüffelhunde, Goldsucher auf vier Beinen, deren feine Nase die raren Pilze mit einer unerreichten Trefferquote erschnüffelt. Die Ausbildung dauert sehr lange und fertig ausgebildete Tiere sind ziemlich teuer. Dafür jedoch leisten sie ganze Arbeit.

Sie heißen Alba-, Perigord-, Piemont- und Burgundertrüffel und gehören zu den teuersten, gefragtesten Pilzen der Welt. Im Herbst geht die Suche nach den bei Gourmets heiß begehrten Leckerbissen erst so richtig los. Der Mensch alleine braucht viel Glück und Kenntnis, um sie zu finden - und setzt deshalb neben dem Trüffelschwein auch auf den Trüffelhund. Beide Tiere können trainiert werden, ihr ausgezeichnetes Riechvermögen einzusetzen, um das schwarze Gold zu entdecken. Allerdings sollen sie nicht hineinbeißen, das wertvolle Gewächs nicht zerstören. Und sie müssen den Pilz finden, obwohl er bisweilen eine gute Armlänge unter der Erde wächst. Eine ganz schöne Herausforderung fürs Training - aber eine tolle Sache, sobald es funktioniert.

Ein kurzer Exkurs in Sachen Schwein, um dem altgedientesten Trüffelsucher alle Ehre zu geben: Säue sind sehr empfänglich für das Hormon Androstenon, dessen Duft in ähnlicher Form auch der Trüffel absondert. Allerdings weiß man heute, dass das Schwein damit den Geschlechtsakt verbindet. In der Sorge also, es könne vor lauter Begeisterung und Appetit doch noch vom Trüffel futtern, den es im Übrigen ebenfalls als Delikatesse schätzt, ist der Mensch auf den Hund gekommen.

Meister seiner Klasse: der Lagotto

Die italienische Hunderasse Lagotto Romagnolo (zu Deutsch: Wasserhund der Romagna) bringt den Trüffelhund überhaupt hervor, heißt es. Sie ist verhältnismäßig selten und dafür unter Profis natürlich umso teurer und gefragter. Der Lagotto gilt als sehr alte Wasserhunderasse; bereits im 17. Jahrhundert wird er erwähnt, von da an entwickelt er sich zum beliebten Apportier- und Stöberhund - und schon seit Jahrhunderten auch zum Trüffelhund. Klassisch für Wasserhunde, hat er ähnlich dem Airedale Terrier ein kurzes, krauses Fell, das sogar leicht ölig ist und ihm dadurch Schutz auch vor sehr kaltem Wasser bietet. Die hübschen, quicklebendigen kleinen Tiere (die Widerristhöhe von Rüden beträgt bis zu maximal 48 Zentimeter) sind gut zu trainieren und sehr lernfähig. Man geht davon aus, dass ein zur Trüffelsuche fertig ausgebildeter Lagotto - der in etwa ein Alter von fünf Jahren hat - mehr als 5000 Euro kostet.

Doch nicht nur Lagottos eignen sich für die diffizile Aufgabe. Auch Setter, Dalmatiner, Spaniel und Mischlinge werden gerne zur Trüffelsuche ausgebildet. Leider ist diese Ausbildung nichts, was man mal so eben nebenher absolviert. Gute Trüffelhunde werden bereits als Welpen mit der Materie vertraut gemacht - man reibt die Zitzen der Mutter mit Trüffelöl oder Trüffelsaft ein, um sie an den Geruch zu gewöhnen. Auch späterhin wird dem Futter dieser Geschmack und Geruch beigefügt und außerdem bald regelmäßig mit dem Tier trainiert. Es gilt dabei, die Hunde immer wieder zu belohnen, wenn sie scharren und suchen. Dann aber muss man einen Hundekuchen oder, besser noch, ein mit Trüffel versehenes Leckerli (Käse oder Wurst) parat haben, damit der Wuff lediglich anschlägt, nicht aber etwa in den Trüffel hineinbeißt.

Auch spielerisch lassen sich Welpen zur Trüffelsuche erziehen - beispielsweise, indem sie ein Spielzeug haben, das danach riecht und schmeckt. Sind sie erst mal unzertrennlich mit ihrer Lieblingsbeschäftigung verbunden, versteckt man das Spielzeug und lässt sie danach suchen.

Schließlich gehen Trüffelhund-Ausbilder dann mit dem Vierbeiner ins Gelände. Zunächst halten sie ihn an der Leine, denn der Hund soll lernen, die besten Gegenden mit den schönsten, am stärksten duftenden Trüffeln ausfindig zu machen. Ließe man ihn einfach laufen, würde er wohl unter jedem zweiten Baum scharren; deshalb gilt es, ihn langsam an die Gerüche rundherum zu gewöhnen. Später dann kann man ihn frei laufen lassen. Fortan liegt der Erfolg der Trüffelsuche nicht mehr allein am Vierbeiner. Ein erfahrener Mensch ist gefragt, der die besten Plätze kennt, um das schwarze Gold zu bergen.