Osteopathie - Eine Therapie auch für Hunde

In der Tiermedizin ist Osteopathie noch eine junge Behandlungsform und gehört in den Bereich der manuellen Medizin. „Manus“ ist Latein und heißt „Hand“, ein Hinweis darauf, dass die Untersuchung und die Behandlung mit den Händen erfolgt. Der Tierarzt muss seinen Patienten im doppelten Sinn des Wortes „begreifen“ und kann so dessen Beweglichkeit wieder herstellen und erhalten.

Dieses Begreifen ist kein Hexenwerk, sondern beruht auf einer mehrjährigen umfassenden Ausbildung in Anatomie, Physiologie sowie Pathologie und erfordert genaue Kenntnisse über alle biomechanischen Vorgänge im Körper des Hundes. Nur so kann der Tierarzt vorhandene Veränderungen erkennen und beheben. Unmittelbare Schäden allerdings wie gebrochene Knochen, gerissene Bänder oder krankhaft veränderte Organe kann die Osteopathie nicht heilen. In diesen Fällen greift der behandelnde Tierarzt zu seinem schulmedizinischen Wissen. Die Osteopathie arbeitet, anders als die Chiropraktik, auf einer ganzheitlichen Grundlage der Diagnose und Therapie. Ganzheitlich heißt, alle Körperteile, auch die inneren Organe, stehen über Häute oder Bänder miteinander in Verbindung. Durch Erkrankungen oder Verletzungen treten veränderte Spannungen im Körper des Hundes auf, die Funktionsstörungen genannt werden. Sie können im Skelettsystem (Gelenke) wie auch im Weichteilgewebe (Muskulatur, Bindegewebe) entstehen.

Diese Funktionsstörungen lassen sich fast nur mit den Händen ertasten, weil sie im Röntgenbild nicht darstellbar sind. Manuelle Impulstechniken des Arztes helfen beispielsweise bei Blockaden an allen Gelenken, auch an der Wirbelsäule, ebenso wie mit den Weichteiltechniken die Muskulatur und das Bindegewebe behandelt werden. Natürlich arbeitet der osteopathisch tätige Tierarzt auf der Grundlage einer genauen klinischen Untersuchung und der Vorgeschichte seines Patienten. Eventuell erforderliche Blutuntersuchungen oder Röntgenbilder müssen ebenso gemacht werden wie eine möglicherweise begleitende Medikamentenbehandlung.

Die osteopathische Untersuchung findet normalerweise statt, während der Hund steht (Bild Nr.1). Erst zur Behandlung wird der Hund hingelegt (Bild Nr. 2 und 3).

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Die erste Untersuchung einschließlich der nachfolgenden Behandlung dauert normalerweise 60 Minuten, Anschlussbehandlungen brauchen 30 Minuten. Auch Hunde, die zu Beginn unruhig sind, entspannen sich in der Regel während einer Behandlung so sehr, dass sie am Ende manchmal einschlafen oder dem Arzt zu verstehen geben, dass gerne weitergemacht werden kann. Nach einer osteopathischen Behandlung sollten die Weisungen des Arztes genauestens beachtet werden.

Dazu gehört als Allererstes das „Einlaufen“ des Hundes in sein neues Beweglichkeitsempfinden: 20 Minuten lang ist unbedingt an der Leine und nur im Schritt zu gehen. Oft ist schon jetzt an der Körpersprache des Hundes zu erkennen, dass er sich wohler fühlt. Aber auch die folgenden Tage (Genaueres wird der Arzt im Einzelfall empfehlen) sollte der Hund weiter an der Leine geführt werden und besondere Anstrengungen vermeiden. Lag bei einem Hund eine akute Funktionsstörung vor, so genügt in der Regel eine einmalige Behandlung. Im Falle von chronischen Erkrankungen steigert eine regelmäßige osteopathische Behandlung im Abstand von zwei bis drei Monaten die Lebensqualität des Hundes erheblich.