Katzenkult

Victor Hugo schwärmte: „Gott schuf die Katze, damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat“. „... Mein träger Liebling, komm heran damit ich dir den Nacken kos’ und deinen Samtleib streicheln kann“, lockte Oscar Wilde. Kurt Tucholsky lobte anerkennend: „Die Katze ist das einzige vierbeinige Tier, das dem Menschen eingeredet hat, er müsse es erhalten, es brauche aber dafür nichts zu tun.“ Und Charles Baudelaire dichtete zum Thema Katze: „... Denn alles, Welt und Himmel, ruht in ihr – voll Harmonie, holdselig und erlesen.“ Schriftsteller aus allen Epochen haben Katzen Texte und Gedichte gewidmet. Nicht wenige, darunter Ernest Hemingway, Hermann Hesse und Charles Dickens, waren selbst stolze Katzenbesitzer. Doch damit noch nicht genug: Katzen begeisterten über die vergangenen Jahrhunderte französische Könige genauso wie Päpste, Künstler, Schauspieler, Wissenschaftler, Wirtschaftsbosse und Politiker. Ihr geheimnisvolles Wesen faszinierte von jeher – ob im Guten oder im Schlechten. So sollen die mutigen Feldherren Alexander der Große, Caesar und Napoleon Bonaparte unter einer veritablen Katzenphobie gelitten haben. Ob Liebe oder Hass, eines steht damit fest: Katzen lassen uns Menschen nicht kalt.

Nützliche Jäger

Den Grundstein und später den Höhepunkt der Verehrung von Katzen legten die alten Ägypter. Bereits 3000 v. Chr. zeigten Bilder und Zeichnungen Katzen. Dass die so freiheitsliebenden Wildtiere damals in die Nähe des Menschen gelangten, hat vermutlich eine ganz logische Erklärung: Der Reichtum des Nil-Deltas bestand unter anderem aus gut gefüllten Kornkammern, die jedoch Mäuse und Ratten anlockten. Wildkatzen entdeckten langsam, aber sicher dieses interessante Futterangebot. Ihre Nützlichkeit überzeugte den Menschen, und bald begann er, Katzen gerne in seiner Nähe zu dulden und sogar zu hegen.

 

Die Katze als Göttin

Sie hieß Bastet, war der ägyptischen Mythologie zufolge die Tochter oder auch Ehefrau des Sonnengottes Re und wurde häufig als Frau mit Katzenkopf oder als Katze dargestellt: Die Göttin der Fruchtbarkeit und Liebe, der Freude, der Geburten, des Kindersegens, der Feste und der Musik. Bastet galt zudem als die Göttin der Kultstätte Bubastis, wo später ausgedehnte Katzenfriedhöfe und unzählige Bronzestatuen von Katzen gefunden wurden. Die Katze als Göttin hatte somit die ägyptische Kunst erobert. Zu Lebzeiten der Pharaonen Tutanchamun und Ramses wurden ihr Tempel errichtet, lebende Tiere wurden von Priestern aufs Beste gehegt und gepflegt und die willkürliche Tötung von Katzen galt als Todsünde, es sei denn, das Tier war als Opfertier gezüchtet worden. Ja, richtig – gezüchtet! Denn bereits damals begann der Mensch, die wild lebenden Falbkatzen zu domestizieren und sich mit der Züchtung der Tiere zu beschäftigen.

Verehrung weltweit

Die Katze war den Ägyptern derart heilig, dass man ihren Export verbot. Das hinderte phönizische Handelsleute jedoch nicht daran, die Tiere auf Schiffen über das Mittelmeer zu schmuggeln. Man geht davon aus, dass unsere heutige Hauskatze von eben jenen Tieren abstammt, die einst den Weg per Schiff über das Meer fanden. Bis dahin setzten die alten Römer und Griechen bei der Mäusejagd eher auf Tiere wie Frettchen. Doch die Katze ließ sich bei der Eroberung der Menschenherzen nicht aufhalten: Etwa um 500 v. Chr. erscheinen auch auf dem europäischen Festland erstmals Bilder von Katzen auf Vasenmalereien.

So lange wie die Europäer hatten sich Inder und Chinesen nicht bitten lassen: In Indien, wo Tiere in Religion und Kunst von jeher eine große Rolle spielten, war die Katze schon längst ein Teil der Zeremonien, und in China glaubte man einst, dass außer dem Menschen nur die Katze eine Seele besaß. In Japan trifft man noch heute überall auf „Maneki Neko“, die „herbeiwinkende Katze“ mit der Winkepfote, die wir hierzulande auch in asiatischen Geschäften und Restaurants entdecken. Diese japanische Glückskatze soll dafür sorgen, dass die Geschäfte gut laufen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Nach all den erfolgreichen Zeiten ist das finsterste Kapitel der Geschichte der Katzen sicherlich das Mittelalter. Die geheimnisvolle, ruhige Art der Samtpfoten, die den Menschen glauben ließ, das Tier habe eine Seele, sorgte vermutlich auch dafür, dass Katzen negative Kräfte angedichtet wurden. Sie galten als Reittiere von Hexen, als Schüler des Teufels, als Dämonen und Unglücksbringer. Nicht wenige Katzen wurden im Mittelalter gemeinsam mit Hexen verbrannt; vor allem auf schwarze Tiere hatte man es abgesehen. Ein Rest dieses Aberglaubens ist uns heute noch erhalten – manch einer zögert, wenn vor ihm eine schwarze Katze die Straße kreuzt.

 

Malerei und Fotografie

Spätestens seit Beginn der Industrialisierung wurden Katzen zunehmend als Heimtiere gehalten, und die Menschen begannen, sich intensiv mit der Zucht der Vierbeiner zu beschäftigen. Dieses enge Zusammenleben führte auch dazu, dass der Katze unzählige Kunstwerke gewidmet wurden. Renommierte Fotografen hielten immer wieder Katzen in ihren Arbeiten fest, etwa Elliott Erwitt oder auch der legendäre französische Fotograf Henri Cartier-Bresson. Doch auch unter den Malern hatten die Vierbeiner ihre Fans gefunden. Künstler wie Pierre-Auguste Renoir, Henri Matisse, Édouard Manet, Paul Klee, Picasso und viele mehr nutzten die Katze als Sujet in ihren Bildern. Der als Universalgenie gerühmte italienische Maler, Bildhauer und Erfinder Leonardo da Vinci widmete dem Thema Katzen unzählige Studien. Dabei entstanden unter anderem die Skizzen und Federzeichnungen zu „Madonna mit der Katze“, das heute im British Museum von London hängt. Fairerweise muss man dazu sagen, dass Leonardo da Vinci Tiere allgemein liebte. Es wird berichtet, er habe regelmäßig Märkte besucht und dort Vögel gekauft, die in kleinsten Käfigen ihr Dasein fristeten, um ihnen später die Freiheit zu schenken. Auch Hunde und andere Tiere zeichnete er häufig. Außerdem soll er Vegetarier gewesen sein. Über Katzen aber hat Leonardo da Vinci gesagt: „Das kleinste Katzentier ist ein Meisterstück.“

 

Filmstars und Comic-Helden

Katzen waren jedoch nicht nur die Lieblinge von Künstlern und Schriftstellern, sondern von jedermann. Kein Wunder also, dass die Walt-Disney-Studios mit ihrer Produktion „Aristocats“ aus dem Jahre 1970 unzählige Katzen- und Trickfilmfans in die Kinos lockten. Noch heute ist die Geschichte des frechen Straßenkaters Thomas O’Malley und der aristokratischen Katzendame Duchesse mit ihren drei Kindern Marie, Berlioz und Toulouse bei Groß und Klein beliebt. Dabei waren sie gar nicht die ersten berühmten Trickfilm und Comic-Katzen! Der schwarz-weiße Kater Sylvester beispielsweise jagte bereits 1947 erstmals über die Leinwand, um dem gelben Kanarienvogel Tweety das Leben schwer zu machen. In all diese berühmten Fußstapfen großer Leinwandkatzen trat dann später der dicke Kater Garfield, dessen Schöpfer Jim Davis ihm etliche Probleme, wie beispielsweise den Hund Odie, das Herrchen Jon Arbuckle, aber auch Diäten und Langeweile, mit auf den Weg gab. Der Lasagne-Fan Garfield entstand zunächst als Comic. Seine Premiere beim Fernsehen erlebte das rot getigerte Dickerchen 1983, und 2004 kam „Garfield – der Film“ sogar auf die Großleinwand, nämlich ins Kino.

Katzenjammer? Von wegen!

Es scheint also, dass Katzen auf den großen Bühnen der Welt gut aufgehoben sind, obwohl sie in Wirklichkeit das Rampenlicht gar nicht lieben, sich bei zu viel Besuch lieber unterm Bett verstecken und große Auftritte meiden. In der Musical-Produktion „Cats“ haben die Samtpfoten ihre Beliebtheit einmal mehr unter Beweis gestellt: Es wurde mit 21 Jahren Laufzeit (9.000 Vorstellungen!) das am längsten gespielte Werk in der Geschichte des britischen Musicals. Weltweit haben mehr als 50 Millionen Zuschauer die Show gesehen und dem Song Memory der alten Katze Grizabella gelauscht. Wie stets, wenn Katzen mit von der Partie sind, hat auch die Geschichte von „Cats“ etwas Mystisches: Die Katzen treffen auf einem Londoner Schrottplatz zusammen, um ihren Jellicle Ball zu feiern und eine Katze auszuwählen, die wiedergeboren wird. Es folgen eine Entführung, ein zaubernder Kater und jede Menge Musik und Tanz. Die menschlichen Katzen in ihren aufwendigen Kostümen schleichen sogar durch den Zuschauerraum und bezirzen das Publikum.

 

Dem Mörder auf der Spur

Weil Katzen so leichtfüßig, elegant und geschickt sind, wie es auch im Musical demonstriert wird, haben sie es sogar in die Welt der detektivischen Romanhelden geschafft. Autor Akif Pirinçci schrieb 1989 seinen Krimi „Felidae“, in dem Kater Francis haarsträubende Abenteuer erlebt. Nach dem großen Erfolg von Francis folgten fünf weitere Romane mit dem sympathischen Kater, und auch er schaffte es auf die Leinwand. 1994 öffnete sich der Vorhang für „Felidae“, den Trickfilm. Und wieder waren berühmte Menschen, Künstler und Katzenfreunde mit von der Partie: Mario Adorf, Klaus Maria Brandauer und Helge Schneider gaben den Katzen im Film ihre Stimme.