Mythos Herbstkatzen - was ist dran?

Kätzchen, die im Herbst geboren werden, seien anfälliger als Frühjahrskätzchen, heißt es oft. Doch stimmt das auch? Und wenn nicht, woher rührt dann diese Aussage?

Ein Blick in verschiedene Heimtierforen im Internet zeigt, dass Katzenhalter sich die Frage nach den vermeintlich anfälligeren Herbstkätzchen immer wieder stellen und verunsichert sind. Einmal heißt es, die Tiere würden nicht so groß wie Kätzchen, die im Frühjahr geboren werden; dann wiederum wird behauptet, Samtpfoten aus Herbstwürfen seien anfälliger für Krankheiten, sie seien schlechte Esser und generell problematisch.

"Angeblich sind Herbstkatzerl kränklicher und kleiner!", sorgt sich eine Nutzerin, die ein kleines Kätzchen übernehmen wollte und von Freunden vor Herbstkatzen "gewarnt" worden war. Die Foristen beruhigen: "Ich habe eine Herbstkatzendame - sie ist zwar zierlich, war aber noch nie krank und ist schon zehn Jahre alt!" - "Meine Herbstkatze ist topfit, frech und quicklebendig!", versichert ein anderer. "Unser Kater ist riesig, total verspielt und kerngesund - und er wurde im Herbst geboren", fügt ein dritter an.

Tatsächlich steckt wie bei vielen Mythen ursprünglich ein wahrer Kern hinter der Aussage, Herbstkatzen seien schwächlicher. Die Erklärung ist einfach und logisch: Früher hatten Katzen fast ausschließlich die Funktion von Nutztieren inne. Auf Bauernhöfen beispielsweise war es ihre Aufgabe, Mäuse zu jagen und somit die Ernte vor den Nagern zu schützen. Die Tiere lebten nicht im Haus, sondern draußen auf dem Hof. Es wurde kaum zugefüttert, weil die Katzen ja schließlich täglich ihre bis zu 15 Mäuse fangen sollten, die ein ausgewachsenes Tier braucht, um seinen Nahrungsbedarf zu decken.

In diesem Umfeld hatte es der Frühjahrswurf leichter: Einen ganzen Sommer über blieb Zeit, um heranzuwachsen, jagen zu lernen und Mäuse zu erlegen, sprich kräftig und groß zu werden. Dem Herbstkatzenwurf hingegen fiel es schwerer, sich in den kalten Wintermonaten gut zu ernähren - in der Folge waren die Tiere schwächlicher und kleiner oder überlebten gar nicht erst.

Heutzutage hingegen müssen sich Katzenfreunde keine Sorgen um vermeintlich schwache Herbstkätzchen machen. Längst ist die Katze vom Nutz- zum geliebten Heimtier avanciert. Ob Frühjahr oder Herbst, ob Bauernhof oder Stadtwohnung, wer eine Katzenmutti hält, versorgt sie im Normalfall gut, so dass sie den Nachwuchs mit viel gesunder Muttermilch großziehen kann. Später wird spezielles Katzenkinderfutter gegeben, das den hohen Energiebedarf der kleinen Rabauken deckt, den Knochenbau und die Abwehrkräfte stärkt und die Tiere mit allen nötigen Vitaminen und Taurin versorgt. Sämtliche Wachstumsphasen können durch das optimale Futter sinnvoll abgedeckt werden - etwa wenn die Kätzchen ihr bleibendes Gebiss entwickeln, wenn ihre Verdauung richtig in Gang kommt, so dass sie feste Nahrung besser verwerten können, und wenn sich der Muskelapparat aufbaut.

Soll heißen: Der Anschaffung eines kleinen Herbstkätzchens steht nichts im Wege - Sie werden genauso viel Freude an der Samtpfote haben wie an einem Frühjahrskätzchen.