Verstehen Sie kätzisch?

Im vergangenen Jahr ging eine Meldung durch die Presse, die erfahrene Katzenfreunde zwar erstaunte, letztlich aber doch nicht wirklich überraschte: Eine britische Wissenschaftlerin hatte herausgefunden, dass Katzen in ihrem Schnurren ein herzerweichendes Miau verstecken, wenn sie Futter möchten. Ganz schön gewitzt – und eine der unzähligen Weisen, auf denen unsere Stubentiger mit uns kommunizieren.

Irgendwann begann die Verhaltensforscherin Karen McComb von der englischen Universität Sussex sich zu wundern. Wie brachte es ihr Kater Pepo bloß fertig, sie jeden Morgen mit seinem Schnurren aus dem Bett zu kriegen? Schnurrte er anders als sonst? Die Expertin für Tierkommunikation ließ Katzenbesitzer das Schnurren ihrer Samtpfoten aufnehmen und machte eine verblüffende Entdeckung: „Dieses spezielle Schnurren setzt sich zusammen aus einem behaglichen, tiefen Schnurren und einem hochfrequenten Laut, der an einen Schrei oder an ein Miau erinnert.“ Obendrein setzten die Katzen es offenbar nur dann ein, wenn sie mit ihrem vertrauten Menschen ungestört waren und etwas zu fressen wollten. Der Mensch wiederum nahm die Taktik zwar nicht bewusst wahr, machte aber genau das, was der Stubentiger wollte – er gab ihm Futter. Bewusst oder unbewusst, nicht immer werden die Wünsche, Gesten und Reaktionen der Katze so gut verstanden. Manchmal deuten erst Tierpsychologen das Gebaren richtig. Der Kniff dabei ist, zu denken wie ein Verhaltensforscher – viele Menschen jedoch machen den Fehler, ihre Menschen- Erfahrung einfach auf das Tier zu übertragen. „Jetzt ist sie beleidigt“, sagen sie beispielsweise, wenn ihnen der Stubentiger den Rücken kehrt und geht, nachdem mit ihm geschimpft wurde. Dabei signalisiert die Katze mit ihrem Verhalten, dass sie in der Auseinandersetzung den Kürzeren gezogen hat. Ganz wie im Katzenkampf: Dort gilt direktes Anstarren als Provokation und Zeichen von Dominanz. Es wird so lange eingesetzt, bis der Schwächere der beiden Kontrahenten schließlich den Blick abwendet, um zu zeigen: „Schon gut, du hast gewonnen – ich mache mich vom Acker.“

Anziehende Allergiker

Wenn dieses Wissen nur unter Katzenallergikern bekannt wäre! Immer wieder müssen sie die leidvolle Erfahrung machen, dass der Stubentiger direkt auf sie zuspaziert, obwohl drei andere Leute im Raum nach ihm rufen und ihn streicheln möchten. Warum das so ist? Weil der Allergiker mit der Miez gar nicht erst Kontakt aufnehmen möchte, wendet er gleich die Augen ab und hält sich zurück. Genau diese zurückhaltende Art zieht die Katze an – alle lautstarken Versuche, das Tier zu locken, wirken eher abschreckend, genauso wie die großen Augen der Katzenfreunde, die das Tier unverwandt und begeistert fixieren.

So sprechen die Augen der Katze eine eigene Sprache. Die Pupillen weiten sich bei einem positiven Erlebnis wie dem Anblick von Futter – aber auch im konzentrierten Spiel, auf der Jagd oder wenn etwas bedrohlich erscheint. Fühlt sich das Tier hingegen rundherum wohl, absolut sicher und entspannt, signalisiert es das durch langsames Öffnen und Schließen der Lider. Ein weiteres Zeichen dafür ist die entspannte Körperhaltung – doch wehe, wenn die Ohren angelegt werden und der Schwanz bedrohlich schlägt, obwohl das Tier ansonsten völlig ruhig da liegt. Deutlicher geht es nicht, wenn die Katze ausdrücken will: Finger weg!

 

Miau ist nicht gleich Miau

Und das Miau? Nun stellt sich die Frage, welches! Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass Katzen über eines der größten Laut-Repertoires der Tierwelt verfügen. Dabei wurde eine Vermutung aufgestellt, die sich mit den Forschungsergebnissen von Pepos Frauchen Karen McComb deckt: Katzen miauen nur, wenn sie mit Menschen kommunizieren – in freier Wildbahn mit den Artgenossen hingegen nicht. Experten vermuten, dass Hauskatzen das kindliche Vokabular beibehalten, über das sie sich als Katzenbabys mit ihrer Mutter verständigt haben. Das würde auch erklären, warum sie mit den Pfoten „trampeln“, wenn sie sich wohl fühlen – so haben sie es als Katzenkinder beim Säugen gemacht. Die Vermutung deckt sich mit dem, was Karen McComb über das „Futterschnurren“ gegenüber Menschen sagt: „Dieses Verhalten hat sich erst mit den Jahren herausgebildet. Die Katze hat gelernt, dass es funktioniert.“

So auch die unterschiedlichen Miau-Varianten, von denen Katzenhalter ein Lied singen können. Pünktlich zur Futterzeit ist die Aussage natürlich völlig klar: Ich habe Hunger! Ein kurzes gurrendes „Miau“ wiederum dient der Begrüßung, unermüdliche lang gezogene „Miaaaaaus“ äußern den Wunsch, endlich beachtet zu werden. Am trefflichsten lässt sich das Miau unterscheiden, wenn die Katze gerne hinausgelassen werden möchte. Klingt doch ganz anders, als wenn sie draußen vor der geschlossenen Tür im Regen steht und mit dramatischem Gejammer Einlass fordert!