Garnelen - Skurrile Meeresritter im Salzwasseraquarium

Wir dürfen vorstellen: Garnelen, die stammesgeschichtlich zum weitaus artenreichsten Tierstamm unserer Erde gehören. Sie werden zusammen mit den Insekten, Spinnentieren, Tausendfüßern und einigen weiteren und artenärmeren Tierklassen zum Stamm der Gliederfüßer (Arthropoda) gezählt. So vielgestaltig diese Geschöpfe auch immer sind, so eint sie doch ein gemeinsames Merkmal: ihr Chitinpanzer. Diese leichte und große Festigkeit aufweisende Körperhülle dient einerseits als Schutz vor schädlichen äußeren Einflüssen und andererseits als festigendes Außenskelett. Dieses "Exoskelett" muss in gewissen Zeitintervallen gehäutet werden, da die Tiere sonst nicht wachsen könnten. Auch wenn diese Häutungsphase immer eine kritische Phase im Leben der Gliederfüßer darstellt, so hat sie sich dennoch als evolutionäres Erfolgskonzept erwiesen. Es hat sich für die Tiere im immerwährenden Wettstreit um die erfolgreiche Anpassung an ökologische Nischen bewährt.

Es gibt schätzungsweise mehr als 40.000 Arten von Krebstieren. Innerhalb dieser Klasse der Crustaceen ist die Ordnung der Decapoden mit deutlich über 8.000 Arten die größte Gruppierung. Zu diesen Zehnfußkrebsen gehören auch viele der uns besser bekannten Krebstiere wie z.B. Hummer, Langusten, Einsiedlerkrebse, Flusskrebse, Krabben und Garnelen.

Nicht nur für viele von uns Menschen, auch bei den allermeisten Fischen und vielen anderen Meeresbewohnern steht ein leckerer Garnelenhappen ganz oben auf dem Speiseplan. Bei der Vergesellschaftung im Aquarium muss deswegen darauf geachtet werden, dass die fischigen Mitbewohner nicht zu groß sind oder es sich gar speziell um Garnelenfresser handelt.

Um nicht allzu leicht diesen vielfältigen Feinden zum Opfer zu fallen, haben Garnelen unterschiedliche Strategien entwickelt. Die uns bekannteste Verhaltensweise ist sicherlich, sich für Fische unentbehrlich zu machen und eine Symbiose einzugehen. Viele Arten gelten nämlich als "Putzergarnelen", die zumeist an eigens dafür eingerichteten Putzstationen die "Fischkunden" von lästigen Kleinparasiten auf der Haut oder sogar von Futterresten im Maul befreien. Die "Yellownose"-Garnele (Urocaridella spec. "Yellownose") ist zumindest in der natürlichen Umgebung ein solch nützlicher Helfer. In den beengten Aquarienverhältnissen funktioniert diese Symbiose zwischen Krebstieren und Fischen leider nicht immer. Es kommt durchaus auch einmal vor, dass ein Fisch die Garnele verspeist.

Die Periclimenes-Partnergarnele und Hohlkreuzgarnelen (Thor amboinensis) haben sich auf eine andere Art und Weise spezialisiert: Sie leben zwischen den Tentakeln von giftigen Nesseltieren. Nur ungern werden potenzielle Räuber in die mit Nesselzellen gespickten Polypen von Anemonen beißen. Auch andere Garnelenarten, die sich zwischen ungefährlicheren Korallenstöcken verstecken, werden erst gar nicht gefunden. Oftmals leben die Garnelchen hier als harmlose "Mitesser", die sich von Korallenschleim oder Futterresten ernähren. Die Harlekingarnele, die Langnasen-Felsengarnele oder die Marmorgarnele gehen ihren Feinden dadurch aus dem Weg, dass sie sich am Tag eher verstecken und nur bei anbrechender Dunkelheit oder nachts aktiv werden.

Doch zurück zur Yellownose-Garnele, die nur selten nach Deutschland importiert wird: Urocaridella spec. 'Yellownose' wird bis zu drei Zentimeter groß und ist, obwohl sie im Indopazifik weit verbreitet vorkommt, noch eine wissenschaftlich unbeschriebene Art. Sie lebt in der Natur anscheinend in Höhlen und putzt gelegentlich Fische. Bei ihr handelt es sich um einen idealen Bewohner für ein Nano-Riffaquarium. Die Nachfrage nach ihr steigt, weil immer mehr Menschen auch kleine Meerwasseraquarien pflegen. In diesen "Miniriffen" sind diese meist pflegeleichten Krustentiere bei vernünftigem Tierbesatz vor Räubern sicher.

Die recht pflegeleichten Hohlkreuzgarnelen (Thor amboinensis) mit einer Körper"größe" von gerade mal zwei Zentimetern haben unter den Aquarianern auch den bezeichnenden Namen "Sexy Shrimps". Dieser rührt daher, dass sie häufiger mit ihrem Hinterteil hin und her wackeln.

Die Periclimenes brevicarpalis Partnergarnele bevorzugt Anemonen als Partner. Aber auch diverse großpolypige Steinkorallen wie zum Beispiel Wunderkorallen (Catalaphyllia jardinei) werden gerne genommen. In der Natur leben die Tiere im Indopazifik und im Roten Meer. Weibliche Exemplare erreichen knapp drei Zentimeter Körpergröße. Männchen bleiben etwas kleiner. Die bis auf einige weiße Fleckenmuster durchsichtige Körperhülle lässt einen erstaunlichen Blick auf ihre "Innereien" zu.

Periclimenes imperator, die Imperator-Garnele, stammt aus dem Indopazifik. Die Weibchen dieser seltsam anmutenden Art erreichen etwa zwei Zentimeter Körpergröße, wobei auch bei dieser Art die Männchen etwas kleiner bleiben. Sie leben in der Natur auf oder gar in anderen Tieren. Sie bevorzugen die - leider nicht längerfristig im Aquarium haltbare - Spanische Tänzerin (Hexabranchus sanguineus), eine Nacktschneckenart. Selbst bei deren Schwimmbewegungen im freien Wasser verlassen die Krebstierchen ihren Wirt nicht. Sitzen die Garnelen jedoch auf einer Seegurke als Wirtsorganismus, so sind sie in der Lage, ihre leuchtend rote Körperfärbung, die sie auf der Nacktschnecke nahezu perfekt tarnte, nun der Färbung der Seegurke anzupassen.

Bei der Westlichen Harlekingarnele (Hymenocera elegans) handelt es sich um einen in der Natur paarweise lebenden Nahrungsspezialisten. Sie ist nur bedingt für ein Heimaquarium geeignet. Die Weibchen dieser Art werden mit maximal vier bis fünf Zentimetern etwas größer als die Männchen. Meist werden sie erworben, um einer vorhandenen Plage bzw. Massenvermehrung von kleinen Kissenseesternen aus der Gattung Asterina Herr zu werden. Dies funktioniert auch ganz hervorragend, jedoch ist für eine dauerhafte Haltung der Tiere zu bedenken, dass sie verhungern, wenn keine Seesterne mehr im Aquarium sind. Beim Kauf der Tiere sollte also am besten bereits im Vorfeld abgeklärt werden, welchem Aquarianer diese im "Leasing"-Verfahren weitergegeben werden können.