Buchtipp

Die Kugelfische des Süß- und Brackwassers
Titel:
Die Kugelfische des Süß- und Brackwassers
Verlag:
ACS Verlag
Autor:
Dr. Klaus Ebert
Art.Nr.:
LI5090
Details:
95 Seiten, gebunden, Großformat mit vielen Farbfotos.
Beschreibung:
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Die Kugelfische des Süß- und Brackwassers

Bei einem Tauchgang im Meer können uns Kugelfische als typische Riffbewohner häufiger begegnen. Im Süßwasser sind Vertreter dieser sonderbaren Fischgruppe ebenfalls zu Hause. Von den cirka 150 bekannten Kugelfischarten können 36 als Süß- oder Brackwasserformen bezeichnet werden. Daneben gibt es über 30 Meerwasserkugelfischarten, die auch in Brackwasserregionen und zum Teil als Jungtiere in Süßwasserbereiche eindringen. Sind die jungen Kugelfische herangewachsen, kehren sie ins Meer zurück, um ihr Leben fortan im salzigen Milieu zu verbringen.

Kugelfische sind weltweit in tropischen Gebieten verbreitet. Nur wenige Arten besiedeln die gemäßigte Zone; in kalten Gewässern fehlen sie ganz. Die meisten Kugelfischarten leben in Küstennähe - es gibt aber auch Hochsee- und Tiefseeformen. Nur 30 der bisher bekannten Kugelfischarten leben ausschließlich im Süßwasser.

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Die Form der Kugelfischkörper ist rund oder keulenförmig und nur bei einigen wenigen Arten langgestreckt und schlank. Die Kiemenöffnungen sind eng und liegen vor den Brustflossen. Die großen Augen stehen weit auseinander und sind unabhängig voneinander beweglich. Die Riechorgane sind lappenförmig an der Kopfoberfläche ausgebildet und sind wegen ihres unterschiedlichen Aussehens sehr wichtig bei der Artbestimmung.

Kugelfische besitzen keine Bauchflossen. Der Antrieb erfolgt über die sich propellerartig bewegenden weichstrahligen Brust-, Rücken- und Afterflossen, während die Schwanzflosse der Steuerung dient. Lediglich bei der Flucht wird auch die Schwanzflosse zur schnelleren Fortbewegung eingesetzt.

Das wohl augenfälligste Merkmal der Kugelfische ist ihre Bezahnung. Unter den Lippenhäuten sitzen die zusammengewachsenen, papageienschnabelähnlichen Zähne, die eine untere und obere Zahnplatte bilden. Dieses zangenartige Gebiß vermag hartschalige Beutetiere zu zermalmen und wächst kontinuierlich nach. Kugelfische besitzen keine bösartige Wesensart, trotzdem kann das kräftige Gebiß eine Gefahr für die anderen Mitbewohner des Aquariums darstellen. Bei der Anschaffung der Kugelfische ist dieser Umstand unbedingt zu beachten, denn es gibt unter den Süßwasserarten äußerst bissige Tiere, die nur eine Einzelhaltung zulassen. Auch die weniger bissigen Tiere zeigen oft eine unangenehme Eigenschaft: Die beißen anderen Fischen Teile der Flossen ab und können auf diese Weise innerhalb weniger Tage den gesamten Fischbestand des Aquariums verunstalten.

Eine weitere Besonderheit der Kugelfische ist die Fähigkeit, sich aufzublasen. Diese Eigenheit, den Körper bei Gefahr kugelförmig aufzublasen, gaben den Kugelfischen den Namen. Durch ruckartiges Wasserschlucken sind die Kugelfische in der Lage, die dünnwandige und dehnbare Ausstülpung am Magen mit Wasser oder gegebenenfalls mit Luft zu füllen. Dadurch vergrößert sich ihr Körperumfang um ein beachtliches Maß; allerdings wird dieses Verhalten im Aquarium nur selten zu beobachten sein. Das Aufblähen des Körpers dient der Abwehrhaltung gegenüber Rivalen oder Fressfeinden und beiden werden die Kugelfische im Aquarium im Normalfall nicht ausgesetzt. Ebenfalls zur Verteidigung, vor allem aber zur Verständigung untereinander, können Kugelfische Laute erzeugen. Aber auch dies wird man normalerweise im Aquarium nicht beobachten können.

Ein Kugelfischaquarium kann nie groß genug sein, obwohl die meisten Fische dieser Art augrund ihrer geringen Körpergröße bereits in einem kleineren Aquarium von 80 Litern Wasserinhalt gepflegt werden könnten. Aber besonders wenn mehrere Kugelfische gemeinsam gepflegt werden, benötigen sie viel Platz und sehr viele Versteckmöglichkeiten – ein Aquarium mit einem Volumen von 200 bis 300 Litern Wasser reicht dann gerade aus. Entscheidend für ein mehr oder weniger friedliches Zusammenleben der Kugelfische ist in erster Linie die Anzahl von Verstecken in Form von Höhlen. Der Bodengrund hat aus feinem Kies oder Sand zu bestehen und ist in einer dünnen Schicht einzubringen, sodaß die Kugelfsiche ihre Nahrung problemlos im Sand suchen können. Pflanzen haben in einem Kugelfischaquarium meist nur ein kurzes Leben.

Eine Vergesellschaftung von Kugelfischen mit anderen Fischarten ist nicht vollständig auszuschließen – Voraussetzung ist ausreichend Platz. Es kommen natürlich auch nur Tierarten in Frage, die nicht als Nahrung angesehen werden. Man sollte auch Arten auswählen, die sich reaktionsschnell verhalten und den oberen Aquarienbereich besiedeln (z.B. größere Salmler). Außerdem eignen sich Ancistrus-Arten, die geschickt Angriffen der Kugelfische aus dem Weg zu gehen wissen und sich als Algen- und Futterrestevertilger nützlich machen.

Die Ernährung der Kugelfische stellt im Allgemeinen kein größeres Problem dar. Ein gutes Futter für kleinere Kugelfische sind Mückenlarven und das ideale Futter für alle Arten ist Miesmuschelfleisch, das sich im tiefgefrorenen Zustand leicht beschaffen lässt. Neben Lebenfutter wie Mückenlarven, Regenwürmer, Bachflohkrebse, usw. verschmähen sie auch Flockenfutter oder Futtertabletten nicht. Maßvolles, aber regelmäßiges Füttern mit einer abwechslungsreichen Nahrung hat eine günstige Wirkung auf die Gesunderhaltung dieser Fische. Trotzdem scheinen manche Arten besonders bezüglich der Weißpünktchenkrankheit, auch „Ichtyo“ genannt, sehr anfällig zu sein. Aus diesem Grund sollten die Tiere ständig auf eventuelle Krankheiten beobachtet werden.

Über die Zucht von Kugelfischen aus dem Süßwasser gibt es nur sehr wenig Berichte, was natürlich auch darauf zurückzuführen ist, dass sich nur wenige Aquarianer mit der Vermehrung dieser Fische beschäftigen. Ein weiterer erschwerender Grund ist, dass einzelne der Süßwasser-Kugelfische im Brackwasser ablaichen. So kann erst eine Salzzugabe die ausbleibende Fortpflanzung stimulieren. Bei manchen Arten beißen sich die Männchen während der Fortpflanzung an den Weibchen fest und lassen sich eine zeitlang durchs Aquarium tragen, bis es zur Eiablage kommt. Der Laich, bis zu 300 Eier, wird auf einem Stein oder auf Pflanzen abgelegt oder angeklebt. Das Männchen übernimmt dann die Bewachung des Geleges bis die Larven geschlüpft sind. Die Aufzucht der sehr kleinen Jungfische gelingt nur mit mikroskopisch kleinem Lebendfutter oder bei manchen Arten mit den kleinsten Artemia-Nauplien.