Putztruppe im Meerwasseraquarium

Jeder Aquarianer sträubt sich vor dem immer wiederkehrenden Generalputz seines Aquariums und schiebt diesen Tag X soweit hinaus wie nur möglich. In der Meerwasseraquaristik kommt dieser Tag oft überhaupt nicht, da im Gegensatz zur Süßwasseraquaristik, der Generalputz der Aquarienanlage von kleinen und großen Helfern erledigt wird.

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Für jeden Bereich in unseren kleinen Ökosystemen gibt es Tiere aus dieser Putztruppe, die uns den Alltag erleichtern, da sie unser Aquarium sauber halten und so unnötige Wasserbelastung vermeiden.

Als erstes wären die vielen Mikroorganismen, wie Copepoden oder Amphipoden, zu nennen, die man bei der Verwendung von Lebend Gestein „unwissentlich“ ins Becken miteinbringt. Diese Organismen dienen einerseits als Nahrung für unsere Korallen und Fische, fressen ihrerseits aber Detritus (= kleinste Partikel), die sich im Becken ablagern und sorgen damit für die Beseitigung enormer Mengen an Trübstoffen.

Man findet diese kleinen Helfer in großer Menge nach einer gewissen Einfahrzeit in allen Zonen des Aquariums. Als weitere Unterstützung, um den Sand frei von Partikeln zu halten, bietet die Meeresaquaristik ebenfalls einige Tiere.

Als besonders geeignet zeigten sich der Weiße Seestern (Archaster angulatus) und der Sanddollar (Clypeaster sp.), eine abgeflachte Seeigelart. Beide durchpflügen fortwährend den Sandboden nach Fressbarem und halten ihn dadurch frei von organischen Resten, welche zu Fäulnisprozessen führen können.

Als weiteren Sandreiniger werden im Meerwasseraquarium Fische aus der Gruppe der Grundeln gehalten, hier besonders die Diamant Grundel (Valenciennea puellaris) oder die Blauband Grundel (Valenciennea strigata), welche den Sand durch ihr Maul aufnehmen und über die Kiemenbögen Partikel rausfiltern. Als Grundbedingung für die Haltung solcher bodendurchwühlenden Tiere sollte man auf die Bodenkörnung und Schichtdicke achtgeben.

Um Futterreste oder größere Partikel zu entfernen, werden Tiere aus der Gruppe der See- und Schlangensterne, wie zum Beispiel Blauer Seestern (Linckia laevigata), Roter Seestern (Fromia indica) oder der Gebänderter Schlangenstern (Ophiolepis superba) gerne in Aquarien gehalten. Diese finden solche Reste mit Hilfe von Geruchssensoren und entdecken diese selbst in kleinsten Spalten. Dadurch wird verhindert, dass verrottendes Material den Nitrat und Phosphatgehalt ansteigen lässt.

Als letzten Punkt zur Putzaktivität im Meerwasseraquarium wären noch Tiere zu erwähnen, welche Fische von Ektoparasiten befreien und so einen wichtigen Beitrag zur Fischgesundheit leisten. Als erste Putztruppe wären Garnelen aus der Gruppe der Lysmata zu nennen, Weißbandputzergarnele (Lysmata amboinensis) oder Kardinalsgarnele (Lysmata debelius). Diese sollten immer zu mehreren Exemplaren je nach Beckengröße gehalten werden, um dem Gruppentier einerseits naturähnliche Lebensbedingungen zu bieten und andererseits die Scheue zu nehmen.

Bei den Fischen gibt es zwei Gruppen, erstens die klassischen Putzerlippfische (Labroides dimidiatus), welche jedoch nur für große Aquarien zu empfehlen sind, da sie durch ihre immerwährende Putzaktivität in zu kleinen Systemen den Beckeninsassen mehr Stress bereiten als Erleichterung. Als eine gute Alternative bieten sich kleine Putzergrundeln aus der Gruppe der Gobiosoma an, die Neonstreifenputzgrundel (Gobiosoma oceanops) oder ihre verwandte Art Gobiosoma randalli sind durch ihre kleine Größe für die Aquarienhaltung besser geeignet. Diese kleinen Gobis finden auf mittelgroßen Fischen genug Ektoparasiten, um ihren natürlichen Putztrieb auszuleben.

Dies war nur ein kleiner Ausschnitt aus dem reichhaltigen Angebot der Natur, welches uns die Arbeit mit unserem Aquarium erleichtert und uns die Freude an unserem Hobby erhält.