Kleinsäuger im Winter

Spätestens wenn der Herbstwind die letzten Blätter von den Bäumen geweht hat, steht der Winter vor der Tür. Damit ändert sich für die in freier Natur lebenden Kleinsäuger einiges. Nicht nur die niedrigen Temperaturen machen ihnen zu schaffen, auch die immer knapper werdende Nahrung stellt ein ernsthaftes Problem dar. Fällt noch dazu Schnee, wird die Suche nach den wenigen Resten an Fressbarem zusätzlich erschwert. Für die bei uns lebenden Kleinsäuger birgt die weiße Pracht deshalb weniger Romantik als vielmehr den Kampf ums nackte Überleben. Kein Wunder also, dass die Tiere eine Vielfalt an Strategien entwickelt haben . . .

Einen Winterschlaf halten z. B. Siebenschläfer, Igel, Fledermäuse und Alpen-Murmeltiere, um die kalte Jahreszeit zu überbrücken. Dabei ist die Dauer des Winterschlafs sehr unterschiedlich.

Siebenschläfer machen ihrem Namen alle Ehre

Siebenschläfer gehören mit einer Schlafdauer von fast sieben Monaten zu den echten Langschläfern. Sie fressen sich in den späten Sommermonaten eine dicke Fettschicht an, bevor sie sich Mitte Oktober in ihre Schlafhöhlen zurückziehen. Diese Höhlen, die sich gut gepolstert auf Dachböden, in Baumhöhlen oder verlassenen Eichhörnchenkobeln befinden, verlassen die zu den Bilchen gehörenden Siebenschläfer erst wieder Anfang Mai. Während des Winterschlafs sackt ihre Körpertemperatur bis knapp über null Grad ab und die Atmung reduziert sich auf ein bis zwei Atemzüge je Minute; zeitweilig können auch Atempausen über viele Minuten entstehen. Gesteuert wird der Schlaf der Siebenschläfer über die Tageslänge. Erst wenn diese mehr als 12 Stunden täglich beträgt, wachen die kleinen Bilche wieder auf.

Igel sind temperaturfühlig

Eine ähnliche Strategie wählt auch der einheimische Igel. Auch er verschläft die dunkle Jahreszeit, wobei er sein Nest bevorzugt unter Hecken oder in Laubhaufen einrichtet. Im Gegensatz zum Siebenschläfer wird sein Winterschlaf aber über die Temperatur gesteuert. Ab 12 bis 6 °C fallen die Tiere in einen Dämmerschlaf, der allerdings noch keine große Energieersparnis mit sich bringt und deshalb für die Tiere auch äußerst gefährlich ist. Dauert diese Periode zu lange, verbrauchen die Igel zu viel von ihrem Winterspeck, der ihnen dann im richtigen Winterschlaf fehlt. In diesen fallen sie erst ab einer Temperatur unter 6 °C. Dann werden die Körperfunktionen auf ein Minimum gedrosselt. So sinkt die Körpertemperatur von 35 °C auf Tiefstwerte von ca. 5 °C. Zeitgleich reduziert sich die Herzfrequenz von 160–200 Schlägen je Minute auf etwa 9 Schläge je Minute. Geatmet wird nur viermal in der Minute, während die Atemfrequenz bei wachen Igeln 40–50 Atemzüge beträgt.

Eichhörnchen ruhen nur

Eine andere Strategie hat das Eichhörnchen gewählt. Es hält eine so genannte Winterruhe. Dabei verschläft es nicht den gesamten Winter: Es wacht regelmäßig auf, um zu fressen. Aus diesem Grund legen die Hörnchen im Herbst große Vorräte mit Nüssen, Bucheckern und Eicheln an. Dies ist auch notwendig, da sie während der Winterruhe ihre Körpertemperatur aufrechterhalten, lediglich der Herzschlag wird reduziert. Deshalb sparen sie nicht so viel Energie ein wie ein Tier im Winterschlaf. Trotz dieses Nachteils halten mehr Kleinsäuger Winterruhe als Winterschlaf, da diese den großen Vorteil bietet, dass die Tiere schneller aufwachen und somit besser auf sich verändernde Umweltbedingungen reagieren können. So können Eichhörnchen warme Wintertage nutzen, um sich ausgiebig mit Nahrung zu versorgen, und müssen nicht verhungern, wenn ihre angefressenen Fettvorräte zur Neige gehen. Interessanterweise haben auch einige erst in den vergangenen Jahren bei uns heimisch gewordenen Arten diese Strategie gewählt. So halten neben dem Waschbär auch die noch etwas selteneren Marderhunde Winterruhe, um über Zeiten knapper Nahrungsangebote zu kommen.

Von wegen verschlafen

Aber nicht alle Kleinsäuger verschlafen den Winter in unseren Breiten. Viele Arten bleiben den Winter über wach und müssen sich ihr Futter mühsam suchen. Einige nutzen sogar den Vorteil, den ihnen der Schnee bietet. So legen Wühlmäuse ihre Gänge in der geschlossenen Schneedecke an und sind so für ihre Fressfeinde wie Eule, Bussard oder Fuchs nicht zu sehen. Fehlt jedoch der Schnee, besteht große Gefahr für die kleinen Nager, da es ihnen der gefrorene Boden nahezu unmöglich macht, unterirdische Gänge anzulegen. Deshalb versuchen sie, ihre Laufwege durch die Reste der noch vorhandenen Grasbüschel zu tarnen. Zur Wühlmausbeobachtung ist der Winter übrigens der ideale Zeitraum, da man anhand der Muster, die die Laufwege in die Wiesenoberfläche zeichnen, sehr schnell auf die Anwesenheit der ansonsten sehr scheuen Tiere aufmerksam wird. Auch unsere einheimischen Kaninchen sind in der kalten Jahreszeit aktiv, allerdings verlassen sie die von ihnen gegrabenen Wohnbaue in dieser Zeit deutlich seltener.