Buchtipp

Ihr Hobby - Griechische Landschildkröte
Titel:
Ihr Hobby - Griechische Landschildkröte
Verlag:
BEDE Verlag
Autor:
Rainer Zirngibl
Art.Nr.:
LI3552
Details:
95 Seiten, mit vielen Farbfotos und Tabellen, gebunden.
Beschreibung:
Schildkröten werden schon seit vielen Jahren nachgezüchtet. Zweifellos haben Schildkrötenmittlerweile eine Popularität erreicht, die es notwendig macht, Aufklärung über die Pflege der Tiere, einem möglichst großen Kreis von Interessenten, nahezubringen. Dieses Buch ist auch für Anfänger bestens geeignet.

Europäische Landschildkröten

Wahrscheinlich haben sich die Schildkröten bereits vor über 200 Millionen Jahren zu einer eigenständigen Reptilienordnung (Testudines) entwickelt. Von kaum einer anderen vergleichbaren Tiergruppe sind so viele fossile Funde entdeckt worden wie von ihnen.

Europäische Landschildkröten haben sich aus tropischen Vorfahren entwickelt, die ursprünglich in den nördlichen Randgebieten tropischer Wälder lebten. Das natürliche Schrumpfen dieser Regenwaldgebiete und die Entstehung und Ausweitung von Wüsten, wie der Sahara, haben sie schließlich in zwei Grundformen geteilt.

Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die die Verbreitung von Landschildkröten in der Natur beeinflussen. Die wichtigsten davon sind die Umgebungstemperaturen, Sonnenscheindauer, die Verfügbarkeit von Calciumcarbonat, das richtige Futterangebot und der menschliche Einfluß.

In der Mittelmeerregion leben fünf Arten von Landschildkröten, die bei genauerer Betrachtung nicht schwer zu unterscheiden sind; und zwar die Maurische und die Griechische Landschildkröte, die Breitrand-Schildkröte, Die Vierzehen-Landschildkröte und die Ägyptische Landschildkröte.

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Beschreibung

Die spezielle Körperform der Landschildkröten ist nicht eine beliebige Spielvariante der Schöpfung, sondern das Ergebnis eines jahrmillionen langen Ausleseprozesses.

Der symbolhafte Panzer ist bei allen Schildkröten zwar augenscheinlich, jedoch in Form, Färbung, Steifheit und Härte sehr unterschiedlich. Die obere Hälfte eines Landschildkrötenpanzers nennt man Carapax, die untere Plastron. Beide weisen deutliche Muster aus einzelnen Hornschildern auf. Das obere hintere Schild über dem Schwanz wird als Supracaudalschild bezeichnet.

Die Haut der Weichteile hat sich bei den Landschildkröten mehr zum Schutz des Körpers gegen Fressfeinde als dazu entwickelt, den Körper beweglich zu halten. Die Oberarme und Oberschenkel sind rechtwinkelig zu den Seiten gebogen, wodurch sie den Panzer federnd tragen können. Um dem ganzen die nötige Stabilität zu verleihen, sind die Extremitäten säulenförmig aufgebaut. Die Füße sind stumpf verwachsen, sodaß man keine Zehen erkennen kann.

Eine weitere Besonderheit der Schildkröten ist der im Vergleich zum Körper kleine, recht urtümliche Schädel, der nur mäßig lang ist. Die Nahrungszerkleinerung erfolgt nicht durch Zähne, sondern durch kräftige scharfkantige Hornleisten.

Die Atmung geschieht nicht wie bei uns durch Vergrößerung und Zusammenziehen des Brustkorbes, denn das Korsett des Panzers lässt das nicht zu. Bei den Schildkröten sind die Lungen im Ruhezustand mit Luft gefüllt, das Ausatmen erfolgt durch eine Art Druckatmung. Dabei bedienen sie sich auch der Vorderbeine und es Kehlsackes – diese rhythmischen Bewegungen lassen sich leicht beobachten.

Die Europäischen Landschildkröten gehören zu den Reptilien. Sie sind wechselwarme Kriechtiere, die ihre Körpertemperatur nicht von selbst auf einem gleichmäßigen Niveau halten können. Allerdings ist auch bei Reptilien eine einigermaßen gleichmäßige Körpertemperatur Voraussetzung für einen gut funktionierenden Stoffwechsel und Immunsystem. Deshalb halten Reptilien ihre Körpertemperatur konstant, indem sie zwischen warmen und kühleren Plätzen hin und her wechseln. Im Terrarium oder in der Freianlage müssen solche Plätze vorhanden sein.

Wie bei allen Reptilien wächst auch bei den Landschildkröten die Oberhaut (Epidermis), die von lederartiger Beschaffenheit ist, nicht mit und muß somit in regelmäßigen Abständen durch Häutungen erneuert werden. Dafür wird die alte Haut am Hals und an den Beinen abgestreift, nicht jedoch die auf dem Panzer.

Die erwachsenen Tiere der europäischen Landschildkröten können zwischen 20 und 30 cm, Breitrand-Schildkröten auch bis 40 cm, groß werden und leben 50 bis 80 Jahre. Geschlechtsreif werden sie in Abhängigkeit von der Fütterungsintensität zwischen dem 5. und 8. Lebensjahr. Es sind bis zu zwei Gelege im Jahr möglich, in seltenen Fällen auch drei.

Landschildkröten sind ausgesprochene Individualisten ohne stark entwickeltes Sozialverhalten. Die auffälligste Verhaltensweise, besonders während der Fortpflanzungsperiode, sind die Turnierkämpfe der Männchen.

Weiters sind Landschildkröten in der Regel ortstreue Tiere. Sie besitzen in der Natur feste Lebensräume und suchen häufig denselben Schlafplatz auf. Auch in großen Freilandanlagen leben sich die Tiere schnell ein und erweisen sich als sehr ortstreu.

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Haltung

Vor dem Erwerb einer Landschildkröte sollte sorgfältig geprüft werden, ob man überhaupt in der Lage ist, die Verantwortung für die Tiere zu übernehmen. Im Gegensatz zu weit verbreitetem Volksglauben sind Landschildkröten empflindliche Tiere, die eine artgerechte Haltung und sorgsame Pflege benötigen. Man sollte sich daher vor der Anschaffung einen Überblick über die Ansprüche und Bedürfnisse der zukünftigen Pfleglinge verschaffen.

Der ideale Ort für die Haltung von Europäischen Landschildkröten ist eine große Freilandanlage im Garten, wo die Tiere in der Regel vom Frühjahr bis zum Herbst draußen gepflegt werden können. Der Standort dieser Anlage muß sorgfältig ausgewählt werden – es sollte möglichst der wärmste Platz im Garten sein, mit einer durchschnittlichen Temperatur von 25 Grad, nicht zu windig, mit möglichst langer Sonneneinstrahlung.Die Unterbringung in einem artgerecht eingerichteten Terrarium ist für eine dauerhafte und erfolgreiche Haltung von großer Bedeutung. Auch wenn die Fortbewegungsweise der Landschildkröten langsam ist, sind sie „Langläufer“ und muß dies bei der Größe des Terrariums berücksichtigt werden.

Die Überwinterung der Tiere sollte im kühlen, nicht zu trockenen Keller, bei einer Temperatur von 8 °C erfolgen. Vor der Einwinterung und nach dem Winterschlaf müssen die Tiere einige Male in lauwarmen Wasser gebadet werden, damit sich der Darm entleeren kann und keine Infektion auftritt. Gleichzeitig wird eine prophylaktische Entwurmung durchgeführt. Erstaunlicherweise überleben Landschildkröten, die sich selbst im Freien eingraben, mitunter den Winter auch ganz gut und wachen im Frühjahr gesund und munter wieder auf.

Landschildkröten stellen keine großen Futteransprüche, da sie mit allen gängigen Gemüsesorten zufrieden sind. Sie sollten jedoch auf genügend Rohfaser achten. Vitamin- und Mineralstofffutter sollte aber auch verabreicht werden, damit der gesamte notwendige Nährstoffbedarf abgedeckt wird.

Wenn Sie als Schildkrötenhalter auf die Ansprüche ihres Tieres eingehen, wird Ihre Landschildkröte ein langes (bis zu 60 Jahre) und gesundes Leben haben und Ihnen viel Freude bereiten.

Es gibt noch weitere wichtige Punkte, die bei der Haltung sowohl im Terrarium wie auch in der Freilandanlage berücksichtig werden müssen – hierzu finden Sie in allen unseren Geschäften ausreichend Fachliteratur. Auch unsere Mitarbeiter stehen Ihnen zur Beantwortung Ihrer Fragen gerne zur Verfügung.