Gouldamadinen

Sie gehören zweifellos zu den prächtigsten der Prachtfinken: die Gouldamadinen. Von ihren Fans liebevoll "Gouldi" genannt, halten die farbenfrohen Vögel aus Australien auch hierzulande in den Volieren und Vogelheimen zunehmend Einzug.

Sie leuchten feuerrot, smaragdgrün und sonnengelb, sie schimmern golden und zartlila, strahlen türkis und orange oder bestechen mit einem tiefen Dunkelblau. Kein Wunder, dass englische Seefahrer die Gouldamadinen bereits vor über 100 Jahren als begehrtes Reisemitbringsel nach Großbritannien brachten. Nur wenige Jahre später kamen die ersten der herrlichen Prachtfinken nach Deutschland - man zeigte sie auf einer großen Vogelschau in Berlin.

Lange Zeit gelang es den europäischen Vogelfreunden jedoch nicht, die farbenfrohen Gesellen erfolgreich zu züchten - was für die wilden Gouldamadinen in Australien fatale Folgen hatte. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts nämlich wurden die Vögel vom fünften Kontinent aus zahlreich importiert und ihr natürliches Vorkommen dadurch stark reduziert. Bis heute zeigen sich die Auswirkungen: Die IUCN, eine Umweltschutzorganisation mit Sitz in Frankreich, bezeichnet die Vögel als "stark gefährdet". Die Fachleute gehen davon aus, dass der Wildbestand nur noch rund 2500 Tiere umfasst, obwohl bereits seit 1960 ein Ausfuhrverbot besteht.

Umso schöner, dass es Züchtern hierzulande längst mit großem Erfolg gelingt, die fröhlichen kleinen Flieger in den herrlichsten Farben nachzuzüchten. Denn so ganz einfach wie andere Vögel sind Gouldamadinen nicht in der Haltung. In freier Natur leben sie in großen Schwärmen in Nordaustralien - bei durchschnittlichen Temperaturen von 25 °C mit Schwankungen von bis zu 40 °C am Tag und nächtlich kühlen 10 °C. Die Luftfeuchtigkeit in ihrer Heimatregion liegt, abhängig von der Jahreszeit, zwischen 55 und 80 Prozent. Entsprechend kann man die Vögel hierzulande nicht in Volieren im Garten halten - es sei denn, die Gouldis können sich von der Voliere aus in einen beheizten Raum zurückziehen, in dem mindestens 24 °C und eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschen.

Besser eignen sich die Gouldamadinen für die Haltung im Haus oder der Wohnung. Wer Freude an den "gefiederten Diamanten" haben will und außerdem darauf hofft, Nachwuchs zu züchten, sollte ihnen ein großes Vogelheim, besser aber noch eine geräumige Voliere bieten. Auch für die entsprechende Luftfeuchtigkeit von 55-70 Prozent muss gesorgt werden. Der Standort sollte so hell wie möglich sein und darf durchaus auch sonnige Stellen aufweisen, weil die von der australischen Sonne verwöhnten Gouldis gerne ein Sonnenbad nehmen. Anders als bei vielen anderen Vögeln ist also direkte Sonne erwünscht; Zugluft hingegen ist tabu.

Auch in Sachen Nahrung sind Gouldis eigen. Grünfutter, Keimfutter, Körnerfutter und ein tierischer Nahrungsanteil gehören zur Speisekarte der Finkenvögel. Auch müssen Mineralstoffe und Vitamine ergänzt werden. Erfolgreiche Züchter richten sich mit dem Speiseplan außerdem nach den Jahreszeiten - und zwar nicht den mitteleuropäischen, sondern den australischen! Dort ist von November bis April Regenzeit, und genau dann pflanzen sich die Vögel fort. Ihre Brut füttern sie nicht nur mit Samen, sondern auch mit jenen Insekten, die während der Regenzeit Hochkonjunktur haben.

Glücklicherweise gibt es ein reichhaltiges Angebot spezieller Gouldi-Kost: Körnerfutter, das Senegalhirse, Silberhirse und andere Saaten enthält und genau auf die australischen Finken abgestimmt ist, sowie alle notwendigen Mineralstoffe und Vitamine. Auch Grünfutter lässt sich gut zusammenstellen, darunter Löwenzahn, Kresse, Vogelmiere und Petersilie. Aufzuchtfutter hilft bei der Versorgung der Vögel mit tierischem Eiweiß.

Wem das zu kompliziert klingt: So schlimm ist es gar nicht! Gouldi-Fans jedenfalls haben solche Freude an ihren wunderschönen, höchst aktiven und unterhaltsamen Piepmätzen, dass sie sie um nichts in der Welt missen möchten.